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| 12:19 Uhr

Verbraucherschutz
Mäßiger Erfolg im Kampf gegen unseriöse Schlüsseldienste

Nach wie vor gibt es Schlüsseldienste, die überhöhte Preisen von ihren Kunden verlangen. Und Klagen sind selten erfolgreich.
Nach wie vor gibt es Schlüsseldienste, die überhöhte Preisen von ihren Kunden verlangen. Und Klagen sind selten erfolgreich. FOTO: dpa / Holger Hollemann
Leipzig. Das kennt jeder: Schnell aus der Wohnung raus, Tür zugezogen und der Schlüssel liegt in der Wohnung. Da hilft der Schlüsseldienst. Unseriöse Unternehmen verlangen aber horrende Preise. Klagen führen kaum zum Erfolg. Das soll sich aber ändern.

Seit Jahren kämpft Sachsens Verbraucherzentrale gegen unseriöse Schlüsseldienste. Der Erfolg der eingereichten Klagen ist jedoch überschaubar, wie die Verbraucherzentrale am Dienstag mitteilte. „Es ist sehr schwer, das zuviel gezahlte Geld zurückzubekommen, selbst wenn ein Urteil mit einem Titel ergangen ist“, erläuterte die Rechtsexpertin Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen. Das Problem bestehe darin, dass Urteil auch vollstrecken zu können. Da zumeist die beklagten Schlüsseldienste sich dem Verfahren verweigerten, konnte auch kein ortsüblicher Preis für die Öffnung der Tür ermittelt werden.

Mehr als 600 Beschwerden über Wucherpreise von bis zu 1500 Euro waren in den vergangenen zwei Jahren bei der Verbraucherzentrale eingegangen. Acht Klagen wurden angestrengt, aber nur in einem Fall erhielt eine Klägerin den zuviel gezahlten Betrag zurück. Die Frau hatte mehr als 800 Euro für die Türöffnung gezahlt und nach der Zwangsvollstreckung immerhin 500 Euro zurückbekommen.

„Wir konnten mithilfe des Bundesverbandes für Metallhandwerk einen Preis von etwa 300 Euro ermitteln. Die Differenz wurde der Frau dann zurückgezahlt“, erläuterte Siegert. Die Rechtsexpertin sagte, dass Wucher dann vorliege, wenn die ortsüblichen Preise um 100 Prozent überschritten würden. „Bei Schlüsseldiensten konnte aber bisher kein ortsüblicher Preis festgelegt werden.“ Die Gerichte müssten im Einzelfall entscheiden.

Generell müssten die Kläger aber viel Geduld mitbringen. Lange Bearbeitungszeiten an den Gerichten und gescheiterte Zwangsvollstreckungen sind eher die Regel. Der Kläger muss zudem alle relevanten Informationen selbst ermitteln und dem Gericht mitteilen. „Dann hat der Beklagte aber oft schon den Wohnsitz gewechselt, ist untergetaucht oder die Zwangsvollstreckung scheitert an der vermeintlichen Vermögenslosigkeit des Schuldners“, erklärte Siegert.

Um das Recht der Verbraucher künftig besser durchzusetzen, will die Verbraucherzentrale eine Initiative gründen. Mithilfe der Industrie- und Handelskammern, der Polizei, dem Landeskriminalamt und der Politik soll der Abzockemasche begegnet werden.

(dpa)