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Linker Club ringt mit Party-Verhalten von Flüchtlingen

Leipzig. In einem linksalternativen Traditionshaus laufen Partys mit Flüchtlingen anders als gedacht. Jetzt fordert das Conne Island in Leipzig-Connewitz eine offene Debatte unter Linken über Rüpeleien junger Ausländer. Christine Keilholz / ckz1

"Ein Schritt vor, zwei zurück", steht über einer Erklärung, die die Betreiber des Conne Island Anfang Oktober veröffentlichten. Was dann folgte, war ein langer, umständlich formulierter Text, der sich so zusammenfassen lässt: Wir haben uns das Feiern mit jungen Flüchtlingen anders vorgestellt. Was war passiert?

Das linksalternative Zentrum Conne Island, gelegen im tiefen Süden Leipzigs kurz vor dem Ortsausgangsschild Richtung Markkleeberg und kurz vor der Auffahrt auf die Bundesstraße Richtung Borna, ist bekannt für vieles: Für die Graffiti am bröckelnden Außenputz. Für laute Punk-Konzerte und günstige Getränke. Das alte Ausflugslokal aus der Gründerzeit ist seit mehr als 20 Jahren ein Muss für Studenten und Jugendliche, die sich in der Leipziger Szene angekommen fühlen wollen. Hier trifft sich auch die städtische Antifa. Das Conne Island ist auch verschrien als Anlaufpunkt für gewaltbereite Autonome, tauchte deshalb mehrmals im Bericht des sächsischen Verfassungsschutzes auf. Aber das hat den Mythos des Conne Island als Bollwerk der Unangepassten nur befördert.

Indes, als Ort, wo Integration kritisch diskutiert wird, hat das Conne Island eher keinen Ruf. Genau das aber fand der Betreiberverein jetzt unumgänglich. Denn immer wieder kam es auf Partys im Haus zu aufdringlichen Anmachen und Grapschereien. Die Täter waren häufig junge Flüchtlingsmänner. Der Vereinsvorstand berichtet von sexistischen Kommentaren und "Handgreiflichkeiten". Es kam demnach "nicht selten" zu "umzingelnden, penetranten Antanzversuchen", bei denen Frauen im Schritt berührt wurden.

Die Folgen: Junge Frauen blieben immer öfter weg. Sicherheitspersonal wurde angeheuert, um bei Konflikten zu schlichten. Und als das nicht mehr half, musste "in mehr als einem Fall" die Polizei gerufen werden, weil sich Gruppen von jungen Männern gegen den Rausschmiss wehrten und "das Maß an körperlicher Gewalt nicht mehr zu handhaben" war.

Dabei hatte das Conne Island die jungen Leute bewusst angelockt mit besonders günstigen Preisen. Flüchtlinge zahlen seit Sommer 2015 nur einen symbolischen Eintrittspreis von 50 Cent.

Inzwischen räumt der Betreiberverein ein, wohl etwas "naiv" gewesen zu sein. Denn der "quasi kostenlose Eintritt zu allen Veranstaltungen" barg auch diverse Fallstricke. Junge Männer mit Migrationshintergrund tauchten häufig gleich gruppenweise bei Tanzveranstaltungen auf, um dort für Stress zu sorgen. Was den Stress noch verstärkt: Das Einlasspersonal wird auch von anderen Gästen angegangen, wenn Ausländer des Platzes verwiesen werden.

Dieser "vorauseilende Antirassismus" macht es auch in einem linken Traditionshaus nicht leicht, Rüpeleien von Ausländern anzusprechen, ohne selbst unter Rassismusverdacht zu geraten. "Natürlich ist auch das Conne Island keine Insel, in der sich gesellschaftliche Utopien im Handumdrehen umsetzen lassen", heißt es in der Erklärung. Wie ein Hilferuf klingt deshalb die politische Forderung des Vereins: "Wir halten eine Thematisierung der Problematik innerhalb der Linken für längst überfällig."

Größere Wellen hat der Hilferuf bis jetzt nicht geschlagen. Stattdessen wird aus dem bürgerlichen Lager im Stadtrat eine altes Lied neu gesungen: Ob das Conne Island weiter aus dem städtischen Kulturfördertopf Zuschüsse bekommen soll, wo es doch zu Protestaktionen aufruft wie jüngst gegen die Feiern zum Einheitstag in Dresden.