ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:34 Uhr

Liberale Frauen vermissen Gleichberechtigung in FDP

Ingrid Alice Mayer. Foto: S. Heitkamp
Ingrid Alice Mayer. Foto: S. Heitkamp FOTO: S. Heitkamp
Seit Wochen steht die sächsische FDP wegen des Vorwurfs des Postengeschachers und der Selbstbedienung in der Kritik von Opposition und Öffentlichkeit. Jetzt melden sich auch parteiinterne Kritiker zu Wort. Von Sven Heitkamp

Die Landesvorsitzende der Liberalen Frauen Sachsen, Ingrid Alice Mayer, beklagt: Frauenpolitik sei "nicht gerade die Domäne” von Parteichef Holger Zastrow. "Für ihn ist die Gleichberechtigung in der FDP angeblich längst Realität. Aber das ist meiner Meinung nach leider nicht der Fall”, sagt Mayer. So seien unter den 14 Landtagsabgeordneten nur zwei Frauen vertreten, nachdem auch noch die Leipzigerin Isabel Siebert als Sprecherin von Wirtschaftsminister Sven Morlok herausgekauft worden sei. "Das sind gerade einmal 14 Prozent Frauenanteil”, bemängelt Mayer. Schon bei der Listenaufstellung vor einem Jahr sei versäumt worden, die Hälfte der Plätze an Frauen zu vergeben. Sie selber sei als promovierte Juristin und ehemalige Rechtsanwältin fachlich durchaus geeignet, sagt die 50-Jährige, die auch Mitglied im Bundesvorstand der Liberalen Frauen ist. "Ich wurde aber nicht vorgeschlagen und hatte auch kein Rederecht.” Stattdessen sei für Isabel Siebert jetzt der Jurist Carsten Biesok nachgerückt. "Ich will, dass 50 Prozent der politischen Positionen mit Frauen besetzt werden, wie es in Frankreich rechtlich vorgeschrieben ist”, fordert Mayer. "Die Fraktion sollte die Verhältnisse in der Gesellschaft widerspiegeln.” Doch von der FDP-Spitze werde die liberale Frauenorganisation oftmals ignoriert, während in der CDU die Frauen-Union eine herausgehobene Stellung genieße. Der Fall der Ex-Abgeordneten Siebert, die als Sprecherin ins Ministerium wechselte, empört Mayer noch aus einem anderen Grund: "Der Vorgang könnte möglicherweise eine strafbare Handlung sein”, so Mayer. Schließlich sei Biesok durch den Verzicht Sieberts auf das Mandat ein Vorteil verschafft worden. Sachsens FDP-Justizminister Jürgen Martens, den sie deswegen angeschrieben hat, teile ihre Auffassung allerdings nicht. "Eigentlich”, sagt Mayer, "hätte die Sprecherstelle nach den Regeln des öffentlichen Dienstes ausgeschrieben werden müssen. Stattdessen wurde jemand aus seinem Mandat herausgekauft.”