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Leipziger Paulinum endlich fertig

Besucher auf der Baustelle des Paulinums der Universität Leipzig vor knapp einem Jahr. Nach vielen Verzögerungen soll das Paulinum Ende August fix und fertig sein. Für Besucher öffnet es am Donnerstag schon mal.
Besucher auf der Baustelle des Paulinums der Universität Leipzig vor knapp einem Jahr. Nach vielen Verzögerungen soll das Paulinum Ende August fix und fertig sein. Für Besucher öffnet es am Donnerstag schon mal. FOTO: Jan Woitas
Dresden. Sachsens zweitgrößte Baustelle nach dem Dresdner Residenzschloss wird doppelt so teuer und dauerte doppelt so lange. Ende des Monats soll das Leipziger Paulinum endlich fertig sein. Christine Keilholz

Ende August will der Freistaat Sachsen das Paulinum endlich fertig haben. Finanzminister Georg Unland (CDU), oberster Bauherr, lädt deshalb für Mittwoch zur großen Bauabschlussfeier. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) wird dabei eine Ansprache halten, ebenso Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und Unland selbst.

Dass es sich bei den Rednern ausschließlich um CDU-Prominenz handelt, regt die Leipziger SPD gehörig auf. Auch die Rektorin der Universität, Beate Schücking, ist nicht als Rednerin eingeplant. Doch Ärger gab es schon immer um dieses Bauprojekt, das mitten in der guten Stube der Stadt einen Spagat hinlegen sollte zwischen Mittelalter und 21. Jahrhundert, zwischen trockenem Zweckbau und höchst ambitionierter Architektur. Gefühlt seit zwei Generationen wird am Campus der 600 Jahre alten Uni um- und angebaut. Der vierte Bauabschnitt - zu dem die "Paulinum" genannte Kirchennachbildung gehört - hat nach letzten zahlen 117,5 Millionen Euro gekostet. Statt 52,5 Millionen, wie es 2006 geplant war.

Wo so groß gebaut wird, geht auch was schief. Schon zweimal musste Unland die Einweihung verschieben. 2009, zum 600. Geburtstag der Uni, war noch kein Ende in Sicht. 2014, zum 605. Geburtstag, konnte zum Trost für eine weitere Verschiebung immerhin der Grundstein für den Altar gelegt werden.

Das Paulinum entsteht seit 2007 genau dort, wo im Mai 1968 die 800 Jahre alte Paulinerkirche gesprengt wurde. Der Bau soll nach Ansicht vieler Leipziger eine über vier Jahrzehnte klaffende Wunde schließen. Hier ließ die SED im Mai 1968 die 800 Jahre alte Paulinerkirche sprengen. Das Gelände wurde später mit einem realsozialistischen Uni-Zweckbau gefüllt.

Für andere bleibt der Entwurf des Rotterdamer Architekten Erick van Egeraat ästhetisch und inhaltlich ein Zankapfel. Eine Bürgerinitiative wollte die alte Kirche in aller Pracht wiederhaben, die Uni wollte ein nutzbares Seminargebäude. Man einigte sich auf eine Glaswand, die den Raum in zwei Hälften teilt - eine Aula und eine Kirche.

Auch solche Sonderwünsche machten das Projekt teurer. Viermal musste der Freistaat die Kosten für Egeraats Entwurf nach oben korrigieren. Dann ging Egeraats Firma mitten in der Finanzkrise pleite.

Die Projektleitung für den vierten Bauabschnitt musste neu ausgeschrieben werden. Hinzu kamen unvorhersehbare Dichtungsarbeiten, Preissteigerungen, Verzugskosten und der erhöhte Mehrwertsteuersatz.

Der lange Bau hatte immerhin den Vorteil, dass die Leipziger den Gebäudeteil mit der nachempfundenen Kirchenfassade einfach "Baustelle" nennen konnten. Der offizielle Name "Paulinum-Aula/Universitätskirche St. Pauli" lässt den jahrzehntelangen Konflikt um Sprengung, Neubau und Wiederaufbau des Gebäudeensembles am Augustusplatz erahnen.

Der Paulinerverein, der erbittert für eine neue Kirche stritt, will nun zumindest die Kunstschätze aus dem Vorgängerbau im Neubau ausstellen. Dazu gehören Grabplatten von Mitgliedern des Wettiner Herrscherhauses ebenso wie die Kanzel der alten Paulinerkirche. Das aber kollidiert mit den Plänen, die der Freistaat für den Innenraum der Kirche hat. Er soll gleichzeitig als Andachtsraum und als Aula der Uni dienen. Wieder ein Spagat.

Paulinum öffnet für die Bürger
Am Donnerstag zwischen 14 und 18 Uhr können Bürger das "Offene Paulinum" besichtigen. Geöffnet ist dann der fertiggestellte Aula-Bereich mit den hängenden Glassäulen.

Der Andachtsraum kann nur durch die geschlossene Glaswand besichtigt werden, da dort noch die Epitaphien aus der alten Paulinerkirche restauriert werden. Die offiziellen Eröffnungsfeierlichkeiten der Universität Leipzig sind geplant für den 1. bis 3. Dezember.