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| 02:39 Uhr

Leipzig "kein Ort zügelloser Gewalt"

2500 Einsatzkräfte sicherten in Leipzig die Südvorstadt ab.
2500 Einsatzkräfte sicherten in Leipzig die Südvorstadt ab. FOTO: dpa
Leipzig. Der befürchtete Chaostag ist Leipzig erspart geblieben. Tausende Polizeibeamte rückten zum Einsatz aus. Die Neonazis um Christian Worch waren nur halb so viele wie angekündigt. Und gewaltbereite Linke kamen nicht zum Zuge. Christine Keilholz / ckz1)

(Kritisch wurde es nachmittags um drei am Bayerischen Bahnhof. Auf dem Platz südlich des Zentrums traf der Aufzug der Neonazis plangemäß mit dem Gros der Gegendemonstranten zusammen. Entsprechend hatte die Polizei auf dem Bayerischen Platz ihre Kräfte konzentriert.

Doch am Ende waren die Einsatzkräfte deutlich in der Überzahl. Auf Seite der Neonazis waren nur um die 120 Anhänger dem Aufruf der rechtsextremen Partei "Die Rechte" gefolgt. Angekündigt waren bis zu 400. Auf dem Bayerischen Platz sahen sie sich einer zehnmal so großen Menge an Gegendemonstranten gegenüber. Die Rede des bekannten Neonazis und Parteichefs Christian Worch ging dort in Rufen und Pfiffen von der Gegenseite unter.

Auf einem Viertelkilometer Aufzugsstrecke lagen nur wenige Meter zwischen beiden Seiten. In dieser laut Polizei "stark spannungsgeladenen Situation" flogen vereinzelt Steine und Wasserballons in Richtung der Rechten. Ein Böller krachte. Trotzdem konnte die Polizeidirektion am Ende des Tages vermelden, dass Leipzig diesmal "kein Ort zügelloser Gewalt" gewesen sei. Dabei hatten die Verantwortlichen zuvor mit dem Schlimmsten gerechnet. Die Polizei hatte sich auf heftige Ausschreitungen eingestellt. Erinnerte doch die Ausgangslage an den fatalen 12. Dezember 2015, als bei schweren Krawallen Dutzende Beamte verletzt worden waren.

Entsprechend sicherten diesmal 2500 Einsatzkräfte die Südvorstadt ab. Aus sechs Ländern hatte Polizeipräsident Bernd Merbitz Verstärkung zusammengetrommelt, dazu noch Kräfte von der Bundespolizei. An mehreren Straßensperren ging es nicht weiter. Dicht an dicht standen die Einsatzfahrzeuge zu beiden Seiten entlang der Route der Rechtsextremen. Die hatte die Stadt vorsorglich umgeleitet. Statt durch das linksalternative Szenequartier Connewitz ging es nun durch die Straße des 18. Oktober, wo die größten Studentenwohnheime der Stadt stehen. Am Vormittag hatten hier zehn Leute kurzzeitig versucht, den Zug der Rechten durch eine Sitzblockade aufzuhalten. Aber auch hier blieb die Lage friedlich. Man habe das "kommunikativ lösen können", sagte Polizeisprecher Andreas Loepki.

Die Polizei zeigte sich erleichtert, dass durch das "aktive Zutun vieler Beteiligter des Gegenprotests, maßgeblich zahlreicher Initiatoren der Leipziger Bürgerschaft, der Lokalpolitik und all deren, die sich besonnen gegen Extremismus positionierten", alles im Rahmen blieb.

Außer abseits des Geschehens in der Südvorstadt, wo 20 Vermummte eine Barrikade bauten und Steine auf die Polizei warfen. Mehrere Personen wurden festgesetzt. Vorwurf: schwerer Landfriedensbruch. An anderer Stelle scheiterten Vermummte bei dem Versuch, Mülltonnen anzuzünden. Die Feuerwehr war rechtzeitig zur Stelle.

Bilanz des Tages: Die Polizei registrierte insgesamt 20 Straftaten, darunter acht nach dem Versammlungsgesetz. 15 Personen wurden festgesetzt, gegen zwei ergingen Haftbefehle.