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| 19:16 Uhr

Kriminalität
Lebenslange Haft für Mord im Rocker-Milieu

 Der Prozess fand unter großen Sicherheitzkontrollen stat. Drei Jahre nach tödlichen Schüssen wurde das Uretil gesprochen.
Der Prozess fand unter großen Sicherheitzkontrollen stat. Drei Jahre nach tödlichen Schüssen wurde das Uretil gesprochen. FOTO: dpa / Sebastian Willnow
leipzig. Am hellichten Tag wird ein 27-Jähriger in Leipzig durch Schüsse ermordet. 90 Tage verhandelt das Landgericht bis zum Urteil. dpa

Machtkämpfe und Rache im Rockermilieu: Nach 90 Verhandlungstagen sind im Prozess um einen Mord in der Leipziger Rockerszene alle vier Angeklagten zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Die vier Mitglieder wollten die Ehre ihres inzwischen aufgelösten Leipziger Chapters der Hells Angels verteidigen, befand das Gericht. Sie wurden am Dienstag wegen gemeinschaftlichen Mordes sowie versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen verurteilt. Das Urteil folgte damit weitgehend dem Strafantrag des Staatsanwaltes.

„Sie haben die Ehre ihres Clubs über das Leben eines Menschen gestellt. Sie werden nun überlegen müssen, ob es das wert gewesen ist“, sagte der Vorsitzende Richter Johann Jagenlauf bei der Urteilsverkündung im Landgericht.

Demnach hat der Jüngste der zwischen 33 und 47 Jahren alten Männer im Sommer 2016 in der Eisenbahnstraße ein Mitglied des rivalisierenden Rockerclubs United Tribuns erschossen. Zwei weitere Männer wurden verletzt.

Die Mitangeklagten wussten nach Einschätzung des Gerichts von dem Vorhaben – die vier hatten einen gemeinsamen Tatplan. Sogar der Oberstaatsanwalt hatte in seinem Plädoyer Zweifel am gemeinsamen Plan geäußert. Die Kammer befand aber, dass die Verurteilten sich über ihr Vorhaben abgestimmt haben. Sie seien zusammen und bewaffnet zum Tatort gefahren. Dort hätten sie ein Zusammentreffen mit den United Tribunes provoziert.

Nachdem ein Rivale in Richtung eines Hells Angels getreten hatte, soll der 33-Jährige ohne zu zögern sieben Schüsse abgegeben haben. Ein Polizist, der vor Ort war und weggestoßen wurde, hatte den Schützen identifiziert. Als der niedergeschossene 27-Jährige am Boden lag, traten die anderen Männer laut Gericht noch auf ihn ein. Die Angeklagten schwiegen bis zum Ende des Prozesses, der im September 2017 begonnen hatte. Auch Zeugen, die nicht aus dem Rocker-Milieu kamen, seien nicht bereit gewesen, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, sagte Jagenlauf am Dienstag.

Nach der Urteilsverkündung umarmten etwa 30 Sympathisanten die Verurteilten über die Anklagebank hinweg. Die Urteile des Landgerichts sind noch nicht rechtskräftig.

 Der Prozess fand unter großen Sicherheitskontrollen statt. Drei Jahre nach den tödlichen Schüssen wurde das Urteil gesprochen.
Der Prozess fand unter großen Sicherheitskontrollen statt. Drei Jahre nach den tödlichen Schüssen wurde das Urteil gesprochen. FOTO: dpa / Sebastian Willnow