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| 14:04 Uhr

Zahl der Kirchenautritte nimmt bundesweit zu
Lausitzer Katholiken wachsen gegen Trend

 Die Fahne des Bistums Görlitz  weht am katholischen Pfarramt des Klosters von Neuzelle.  200 Jahre nach der Säkularisation ist das Kloster wieder eine geistliche Gemeinschaft von Zisterziensern.
Die Fahne des Bistums Görlitz  weht am katholischen Pfarramt des Klosters von Neuzelle.  200 Jahre nach der Säkularisation ist das Kloster wieder eine geistliche Gemeinschaft von Zisterziensern. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Görlitz/Cottbus. Die beiden großen Kirchen Deutschlands werden kontinuierlich Jahr für Jahr kleiner. Dieses Jahr aber kehren ihnen besonders viele Menschen den Rücken, besonders Katholiken. Die Lausitz allerdings schert bei diesem Trend aus: Das katholische Bistum Görlitz wächst. Von Benjamin Lassiwe

Überall in Deutschland verlieren die beiden großen Kirchen Mitglieder. Nur in der Lausitz findet sich eine Ausnahme: Das katholische Bistum Görlitz, dessen Gebiet von Eisenhüttenstadt bis zur tschechischen Grenze reicht, konnte als einzige deutsche Diözese auch 2018 seine Mitgliederzahlen steigern. Es wuchs von 29 466 Gemeindegliedern im Jahr 2017 auf 29 671 Ende 2018.

Das geht aus der offiziellen Mitgliederstatistik der katholischen Deutschen Bischofskonferenz hervor, die am Freitag veröffentlicht wurde. Grund für die Steigerung der Mitgliederzahlen sind vor allem Zuzüge aus Polen: Schon seit mehreren Jahren profitiert das katholische Lausitzbistum davon, dass sich junge polnische Familien westlich der Grenze niederlassen. Doch auch in der Frömmigkeit macht den Lausitzer Katholiken so schnell niemand etwas vor: An einem normalen Sonntag besuchen 16,8 Prozent der Gemeindeglieder im Bistum Görlitz die Heilige Messe. Damit liegt das kleinste deutsche Bistum bundesweit auf Platz eins – im Bundesdurchschnitt sind nur knapp neun Prozent der Katholiken sonntags in der Kirche.

Ganz anders sehen die Statistiken dagegen für die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo) aus. Sie verlor 2018 rund 2,2 Prozent ihrer Mitglieder durch Tod und Austritt und zählt nun noch 941 145 Gemeindeglieder in Berlin, Brandenburg und Ostsachsen. Einen deutlichen Einbruch bei den Taufzahlen gab es besonders im Bereich der Oberlausitz: Während hier 2017 noch 308 Taufen stattfanden, waren es 2018 nur noch 254. Das führt die Landeskirche nach Angaben von Kirchensprecherin Heike Krohn ebenso wie den Mitgliederrückgang insgesamt vor allem auf demografische Gründe zurück.

Auch bundesweit verloren beide großen Kirchen im Jahr 2018 deutlich Mitglieder: Die Evangelische Kirche in Deutschland verzeichnet für das vergangene Jahr 21,1 Millionen Mitglieder. Dies entspricht einem Rückgang von 1,8 Prozent, wobei die Zahl der Kirchenaustritte um 11,8 Prozent über dem Vorjahresniveau lag. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz zählt noch rund 23 Millionen Gemeindeglieder – doch im Jahr der Vorstellung der Mannheimer Missbrauchsstudie stieg die Zahl der Kirchenaustritte bei den Katholiken von 167 000 auf über 215 000 an. „Die aktuelle Statistik ist besorgniserregend“, sagte der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer. Künftig werde es vor allem darum gehen, „einen Wandel zu vollziehen, der darauf hoffen lässt, dass verloren gegangene Glaubwürdigkeit und verspieltes Vertrauen zurückkehren“.

 Die Fahne des Bistums Görlitz  weht am katholischen Pfarramt des Klosters von Neuzelle.  200 Jahre nach der Säkularisation ist das Kloster wieder eine geistliche Gemeinschaft von Zisterziensern.
Die Fahne des Bistums Görlitz  weht am katholischen Pfarramt des Klosters von Neuzelle.  200 Jahre nach der Säkularisation ist das Kloster wieder eine geistliche Gemeinschaft von Zisterziensern. FOTO: dpa / Patrick Pleul