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Landes-Unis sind gute Ausbildungsorte

Sachsen bietet jungen Leuten gute Studienbedingungen.
Sachsen bietet jungen Leuten gute Studienbedingungen. FOTO: dpa
Dresden. Sächsische Studenten sind heimatverbunden. Drei Viertel von ihnen wollen nach dem Abschluss in der Heimat arbeiten. Allerdings: Nur 57 Prozent bleiben tatsächlich. Christine Keilholz

Ob das nun gut ist oder eher schlecht, da will sich Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) nicht festlegen: "An der hohen Mobilität unserer Studierenden kann ich nichts Negatives finden", sagt die 57-jährige Sozialdemokratin. Doch ziehen mehr frisch ausgebildete Akademiker aus dem Freistaat weg, als andere zum Arbeiten kommen. Zu diesem Schluss kommt die Studie, die die Bildungsforscher der TU Dresden in Stanges Auftrag erstellt haben. Nach der Studie, für die 11 000 Absolventen befragt wurden, ist Sachsen ein attraktiver Arbeitsort. Mehr als die Hälfte der Befragten fand das Studium an Sachsens Unis und Hochschulen für angewandte Wissenschaften gut.

An die 60 Prozent hatten ein halbes Jahr nach dem Abschluss einen Job, viele von ihnen in Vollzeit. Was nicht nur für Naturwissenschaftler und Ingenieure gilt, die die schwarz-rote Staatsregierung so dringend sucht. Auch von den befragten Sprach- und Kulturwissenschaftlern war die Hälfte der Meinung, eine ihren Fähigkeiten entsprechende Stelle gefunden zu haben. Bei den Medizinern waren das über 90 Prozent.

Diese zweite Absolventenstudie, die das Wissenschaftsministerium 2013 noch zu Zeiten von Stanges Vorgängerin Sabine von Schorlemer (parteilos) in Auftrag gab, greift die Ergebnisse der ersten Studie von 2009 auf.

Insgesamt kommt der Macher der Studie, Bildungsforscher Karl Lenz, auf "erkennbare Verbesserungen in den Studienbedingungen". Bei den Magistern hat sich die Gesamtzufriedenheit von einem Drittel auf zwei Drittel verdoppelt. Ein gewaltiger Sprung auch bei den jungen Lehrern - von 23 Prozent Zufriedenheit auf das Doppelte. Weniger glücklich sind die Staatsexamens-Abgänger. Nur knapp die Hälfte fand das Studium in Sachsen rundum gut - 2009 waren es noch zwei Drittel.

Fehlende Führungsstärke

Mit dem akademisch erworbenen Rüstzeug sind die allermeisten zufrieden - von der wissenschaftlichen Fachkompetenz über die Kommunikationsfähigkeit bis zur Fähigkeit, selbst dazuzulernen. Es hapert indes bei den Führungsstärken. Gerade ein Drittel ist der Meinung, davon genug mitgekriegt zu haben an Sachsens Elitenschmieden.

Master-Studiengänge sind rar

Neben den erstmals befragten Absolventen der Jahre 2010 und 2011 sind die Forscher nochmal auf die Teilnehmer der ersten Studie zugegangen, die Absolventen von 2005 und 2006. Heraus kam, dass fünf Jahre nach dem Abschluss zwei Drittel im passenden - volladäquaten - Job angekommen sind. Ein Plus von acht Prozent gegenüber 2009.

Auf der anderen Seite gibt es auch die, die bei der Stellenwahl völlig daneben lagen: nämlich acht Prozent.

Der Bachelor-Abschluss ist für die meisten ein Übergang zum weiteren Studieren. Indes, die Master-Studiengänge sind rar in Sachsen. "Hier müssen wir dringend mehr Angebote schaffen", sagt Ministerin Stange. Ein Drittel aller Befragten wurde in der Regelstudienzeit fertig, zehn Prozent mehr als bei der ersten Studie. Dennoch liegt Sachsen bei der Pünktlichkeit immer noch unter dem Bundesdurchschnitt von 39 Prozent.

Für Sachsen ist das Halten und Zurückholen von jungen Menschen ein großes Thema. Und die Hochschule ist ein Ort, wo das gelingen kann. Mit einer Kampagne wirbt das Wissenschaftsministerium seit Jahren um Studis von außerhalb. In der Hoffnung, dass einige von ihnen bleiben. Parallel dazu wirbt die Wirtschaft um die Diaspora-Sachsen, die es nach Studium und Berufseinstieg in Bayern oder Baden-Württemberg wieder nach Hause zieht. Inzwischen liegt der Anteil der Studienanfänger von außerhalb bei 38 Prozent. Dass trotzdem so viele weggehen, die eigentlich nicht wollen, macht Ministerin Stange ratlos: "Ich denke, da ist die Wirtschaft in der Pflicht, für gute Arbeitsplätze zu sorgen." Doch auch in ihrem eigenen Beritt kann die Ministerin etwas tun: Denn so gut die sächsischen Unis als Ausbildungsorte wegkommen, so schlecht sind sie als Arbeitgeber. Unbefristete Stellen und Praktika fanden die Macher der Studie vor allem in der Wissenschaft vor.

Von einer "Generation Praktikum" ist in der Breite dennoch nichts festzustellen, betont Bildungsforscher Lenz: "Dieser Begriff war eine Medienerfindung. Das ist auch kein Wunder, denn die meisten Praktikanten finden wir in der Medienbranche."