ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:37 Uhr

Lachen und Weinen des letzten „Brummers“

Sie waren die Comedian Harmonists der DDR: die „Vier Brummers“. Fast 30 Jahre lachte das Publikum Tränen über die eingefleischten Sachsen. Von thomas gillmeister

Drei von ihnen leben nur noch in den Erinnerungen von Erich Weber (80) aus Dresden weiter, der das Andenken an die witzigen musikalischen Kerlchen bewahrt.
Läuft im Fernsehen eine Comedysendung, schaltet Erich Weber meist ab. Mit dem Humor heutzutage steht er auf Kriegsfuß. "Zu oberflächlich. Das ist doch wilder, gedankenloser Klamauk" schimpft er und "brummt" lieber seine Hits, die er auch anno 2007 noch aus dem Effeff singen kann. Und schon beginnt er: "In der Finsternis, welch ein Hindernis, fragt man nicht erst, wer der Sünder ist." Eine Kostprobe aus dem "Lied von der Stromsperre". "Das hat damals die Leute regelrecht elektrisiert, weil sie von den häufigen Stromabschaltungen nach dem Krieg genervt waren, aber in den Rathäusern die Festbeleuchtung brannte", plaudert der gebürtige Dresdner und erzählt von weiteren Aufregern: unpassende Babybekleidung, schludrige Handwerker, unfreundliche Kellner. . . Und lange vor Jürgen Harts Sachsenhymne "Sing mein Sachse sing" hatten die "Vier Brummers" schon ihre eigene: "Das Lied vom echten Sachsen."
Seine drei Mitstreiter Eberhard Kayn, Wolfgang Roeder und Johannes Frenzel traf der Chorsänger Erich Weber Anfang der fünfziger Jahre am Dresdner Operettentheater. "Bei privaten Feiern machten wir zusammen einfach Kabarett, wie uns der Schnabel gewachsen war", denkt er zurück. Das kam so gut an, dass die Vier immer öfter als eigenständige Truppe engagiert wurden. Es fehlte bloß noch ein eingängiger Name. "Nach einem späten Gastspiel wollten wir mal angeheitert alle bei der Ehefrau von Wolfgang Röder übernachten. Sie begrüßte uns mit: Na Ihr Brummer habt mir gerade noch gefehlt und wollte wohl Brummochsen sagen", vermutet Erich Weber. Die Geburt der "Vier Brummers". Sie standen von 1955 bis 1977 auf allen namhaften Showbühnen von Rostock bis Suhl, verkauften Schallplatten, traten im Fernsehen und in Kinofilmen auf.
Ihr Markenzeichen: freche Klappe, gut sitzende Anzüge. Dabei schwor sich das Quartett die ewige Bühnen-Treue bis zum Tod. Im Sommer 1977 starb der erste Brummer an Krebs. Danach löste sich die erfolgreichste ostdeutsche Musik-Komikergruppe auf.
1992 und 1993 musste Erich Weber zwei weitere Mitbrummers zu Grabe tragen. "Das war jedes mal wie ein Stich ins Herz", gibt er freimütig zu. Oft besucht er sie auf dem Friedhof und sagt zu ihnen: "Ihr habt nichts verpasst. Unsere Zeiten damals waren unübertroffen", ist er sich bewusst und wischt sich dabei ein paar Tränen aus den Augen.