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Kutschenbauer setzte aufs richtige Pferd

Bei dem Sommerwetter ist es für viele Ausflügler ein Vergnügen, in einer Kutsche oder auf einem Kremser durch die Gegend zu fahren. Von thomas gillmeister

So manch ein Gefährt stammt von Christoph Aurich aus Groß-Düben bei Weißwasser (035773/70 832), der sich auf den Kutschenbau spezialisiert hat.
Er ist mit sich und der Welt zufrieden. Der 50-Jährige jammert nicht, sondern klotzt mit Lust und Liebe ran. Privat liegt er mit sechs Söhnen und zwei Töchtern weit über deutschem Durchschnitt. Beruflich schafft er zwei Kutschen pro Monat. Dabei bewahrt der Sachse sein Sonnenschein-Gemüt. Von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends steht er zusammen mit seinem Sohn Matthias (23) in der altertümlichen Werkstatt, die früher eine für den Heizungsbau war. Als die Krise auf dem Bau begann, sattelte der gelernte Gas- und Wasserinstallateur einfach um.
Und da kam so. Christoph Aurich ist ein Pferdenarr. Besonders im Sommer gibt es für ihn nichts Schöneres, als nach der Arbeit auszureiten, dabei abzuschalten und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen. Nach der Wende wurde der Aufschwung in seinem Stall sichtbar: Jahr für Jahr kam ein neues Pferd fürs Hobby dazu. "Aber man kann ja immer nur ein Pferd reiten. Also dachte ich mir: Mensch Christoph, hättest du einen Kremserwagen, könntest du gleich zwei Tiere auf einmal bewegen", erinnert er sich.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf, baute der Praktiker sich selbst einen Kremserwagen. Auf ihm fuhr er dann so stolz durchs Dorf, als lenke er ein Luxusauto. Die Geburt seines ersten Spitznamens: der Kremser-Christoph. Kurz darauf wurde ihm eine alte zweirädrige Kutsche angeboten. "Sie stand rund 50 Jahre in einer Scheune und war eigentlich völlig hinüber", denkt er zurück.
Doch plötzlich erwachte in ihm der Sportsgeist, die Kutsche wieder auf Vordermann zu bringen. "Das Schwierigste waren die Räder. Ich bin kein Stellmacher und musste deshalb das Rad ein zweites Mal erfinden", berichtet er. Nach einem Jahr unzähliger Versuche hatte er den Dreh raus. Gern kutschierte er daraufhin durchs Dorf. Die Geburt seines zweiten Spitznamens: der Kutschen-Christoph.
Und schnell sprach es sich vor allem unter Pferdefreunden in Sachsen und später sogar in den alten Bundesländern herum, dass es da einen unkomplizierten Handwerker gibt, der Kutschen restauriert. Die Aufträge kamen fast von allein ins Haus. Der Beweis, dass er aufs richtige Pferd gesetzt hat. Seine bisher schönste Arbeit: Eine so genannte "Victoria" aus den 20er-Jahren mit edlem Lederverdeck und roten Samtpolstern. "Ein Kutschenbauer muss alles in einer Person sein: Schmied, Lackierer, Stellmacher, Tischler, Pols terer. . .", zählt er auf.
Nur Kutschen zu restaurieren, reichte ihm mit der Zeit nicht mehr. Darum begann er, eigene zu konstruieren und zu bauen, die er für rund
3000 Euro das Stück vorrangig an Kunden in Nordrhein-Westfalen verkauft.