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| 15:51 Uhr

Rund 70 Vereine, Organisationen und Parteien dabei
„Herz statt Hetze“: Kundgebung gegen Fremdenhass in Chemnitz

„Herz statt Hetze“ lautet das Motto einer Demonstration für Frieden und gegen Fremdenhass in Chemnitz.
„Herz statt Hetze“ lautet das Motto einer Demonstration für Frieden und gegen Fremdenhass in Chemnitz. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Chemnitz. Wieder gehen Menschen in Chemnitz auf die Straße. Bei Kundgebungen protestieren Hunderte gegen Fremdenhass. Am Nachmittag versammelte sich dann auch die Gegenseite. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort.

Vor zwei geplanten rechtspopulistischen Kundgebungen haben am Samstag mehrere Hundert Menschen in Chemnitz für Frieden und gegen Ausländerfeindlichkeit demonstriert. Auf einem Parkplatz bei der Johanniskirche versammelten sich Teilnehmer einer Kundgebung des Bündnisses Chemnitz Nazifrei. Mit dabei waren unter anderem SPD- Generalsekretär Lars Klingbeil und der Fraktionschef der Linken im Bundestags, Dietmar Bartsch. Rund 70 Vereine, Organisationen und Parteien hatte zu Demonstrationen unter dem Motto „Herz statt Hetze“ aufgerufen.

Diskussionen, Reden, Musik

Zuvor waren zum Auftakt einer Reihe von Kundgebungen rund 50 Menschen für ein friedliches Miteinander durch Chemnitz gezogen. Nach Diskussionen, Reden und Musik am Roten Turm in der Innenstadt setzte sich der Zug in Bewegung. Die Route durch die Stadt führte auch unweit des Tatorts vorbei, wo es vor knapp einer Woche zu der tödlichen Messerattacke auf einen 35-jährigen Deutschen gekommen war.

Zu der Kundgebung an der Johanniskirche strömten am Nachmittag immer mehr Menschen. „Hier ist der rationale Widerstand“, war auf einem selbst gebastelten Schild eines Teilnehmers zu lesen. „Hoch die internationale Solidarität“, skandierten einige Teilnehmer.

„Ich finde es ganz toll, dass die Stadtgesellschaft in Chemnitz aufsteht und ein klares Zeichen setzt, dass Hass, dass Gewalt, dass Rassismus in der Stadt nichts zu suchen haben“, sagte Bartsch der dpa. Auch die SPD wolle ein Zeichen setzen, sagte Generalsekretär Klingbeil der dpa. „Wir stehen hinter den friedlichen Protesten, wir wollen, dass klar wird, die Mehrheit denkt hier anders, denkt nicht rechtsextrem, denkt nicht ausländerfeindlich.“

Aufruf für Toleranz am „Nischel“

Zuvor hatten Chemnitzer Bürger, Unternehmer und Wissenschaftler einen Aufruf an ihre Mitbürger an den berühmten „Nischel“ geklebt. Auf dem Plakat am Sockel des Karl-Marx-Monuments steht: „Chemnitz ist weder grau noch braun“. Und auf der Internetseite der Initiative #wirsindmehr heißt es: „Womit wir nicht leben können, sind Hass, Gewalt, Intoleranz und vor allem Wegschauen.“ Das sei der Nährboden, auf dem Demokratiefeindlichkeit wachse. „Das macht Angst. Aber aus der entsteht der Mut, den es jetzt von uns Bürgern braucht.“

Nachdem die Polizei zunächst zurückhaltend im Stadtgebiet auf Streife war, stieg die Präsenz zum Nachmittag sichtbar an. Die Beamten sicherten den Ort der „Chemnitz-Nazifrei-Kundgebungen“ mit Absperrungen. Die Sicherheitskräfte bereiten sich auf einen Großeinsatz vor. Sie gehen von einer Gesamtteilnehmerzahl im unteren fünfstelligen Bereich bis zum Abend aus.

Auch „Pro Chemnitz“ demonstriert

Am Nachmittag versammelte sich auch die rechtspopulistische Bürgerbewegung Pro Chemnitz zu einer eigenen Kundgebung. Rund eine halbe Stunde nach Beginn von Protesten der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz beschlossen deren Teilnehmer überraschend, sich einer anschließend geplanten Kundgebung der AfD und des ausländerfeindlichen Bündnisses Pegida anzuschließen. Unter „Wir sind das Volk“- und „Merkel muss weg“-Rufen machte sich ein Großteil der geschätzt 1500 Teilnehmer auf den Weg zu dem anderen Versammlungsort.

Vor knapp einer Woche war ein 35-jähriger Deutscher bei einer Messerattacke in Chemnitz getötet worden, zwei weitere wurden verletzt. Als Tatverdächtige sitzen ein Iraker und ein Syrer in Untersuchungshaft. Die Tat war Anlass für Demonstrationen, aus denen heraus es zu ausländerfeindlichen Attacken kam. Teilnehmer streckten auch den Arm zum Hitlergruß.

(dpa/uf)