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| 01:04 Uhr

Kultusminister will an Schulen Ganztagsangebot ausbauen

Steffen Flath hat sich Großes vorgenommen: „Für Eltern, die für ihr Kind ein Ganztagsangebot wünschen, sollte eines geschaffen werden“, sagte Sachsens Kultusminister gestern und appellierte zugleich an Eltern, sich für Ganztagsprojekte einzusetzen und mit Lehrern Angebote zu entwickeln. Bei vielen Familien läuft Flath mit dem Vorstoß offene Türen ein. Von Sven Heitkamp

In einer Studie der TU Dresden sagten 80 Prozent der befragten Eltern, ihre Entscheidung für ein Ganztagsangebot sei richtig gewesen. Nur drei Prozent hielten die Entscheidung im Nachhinein für falsch. Auch gehen mit 64 Prozent mehr Ganztagsschüler gern zur Schule als andere mit nur 50 Prozent.
Zugleich sprachen sich 71 Prozent der Eltern zwar für eine selbstständige Entscheidung zur Ganztagsschule aus - dann sollte das Angebot aber auch bindend sein. Der Erziehungswissenschaftler Hans Gängler hatte die Modellversuche zur Einführung von Ganztagsschulen in Sachsen seit Herbst 2003 wissenschaftlich begleitet. Seiner Ansicht nach dürfe es keine Standartangebote geben. Die Schulen müssten vielmehr maßgeschneiderte Konzepte entwickeln.
Politisch verlässt der Kultusminister mit seiner Aufforderung zu Ganztagsschulen die alte Linie der sächsischen CDU: Die hatte noch 2002 und 2003 erklärt, Ganztagsangebote seien nicht die richtige Antwort auf Pisa. Ein Förderprogramm des Bundes wurde zunächst nur mit großen Vorbehalten aufgegriffen, obwohl die 200 Millionen Euro in Sachsen jetzt bereits verplant sind. Die Union warnte jedoch vor der Gefahr, dass die Verantwortung der Familien für ihre Kinder eingeschränkt werde.
Seine Offenheit erklärte Flath mit den Ergebnissen der Modellversuche. "Ganztagsangebote können zu einer Verbesserung der Schülerleistungen beitragen." Besonders schwächere Schüler könnten durch Hausaufgabenhilfen und Förderangebote messbare profitieren. Dafür müsse allerdings das Konzept der Schule auch tatsächlich die Lernförderung vorsehen. "Werden nur Arbeitsgemeinschaften angeboten, kommt es nicht unbedingt zu einer Leistungssteigerung", so Flath. "Es sollte nicht nur darum gehen, die Schüler zu beschäftigen." Die Regierung hofft zugleich, damit die Quote von Schulabgängern ohne Abschluss von derzeit zehn Prozent zu senken.
Kritik aus der Lehrerschaft, dass es mit den Teilzeitverträgen keine Zeit mehr für Ganztagsangebote gäbe, widersprach der Minister. Lehrer könnten gerade ihr eingeschränktes Stunden-Deputat wieder aufbessern. Eine Förderrichtlinie des Freistaates, die für dieses Jahr 15 Millionen und ab 2006 jährlich 30 Millionen Euro vorsieht, wurde jedoch bisher kaum genutzt: Bis Ende Oktober wurden erst 90 000 Euro abgerufen. Die Richtlinie war allerdings erst im August in Kraft getreten - zu wenig Zeit für viele Schulen, sich mit einem eigenen Konzept zu bewerben.
Ein Viertel der Schüler in Sachsen nimmt bereits Ganztagsangebote wahr. Damit liege Sachsen bundesweit auf Platz 2. Der Großteil sind jedoch Grundschüler, die den Hort besuchen.