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| 19:27 Uhr

Reaktion
Kretschmer fordert Einsatz aller Demokraten

Demonstranten aus der rechten Szene gestikulieren in Chemnitz und drohen Gegendemonstranten Gewalt an. Nach einem Streit war in der Innenstadt von Chemnitz ein Mann erstochen worden. Die Tat war Anlass für spontane Demonstrationen, bei denen es zu Gewaltausbrüchen kam.
Demonstranten aus der rechten Szene gestikulieren in Chemnitz und drohen Gegendemonstranten Gewalt an. Nach einem Streit war in der Innenstadt von Chemnitz ein Mann erstochen worden. Die Tat war Anlass für spontane Demonstrationen, bei denen es zu Gewaltausbrüchen kam. FOTO: dpa / Jan Woitas
Berlin/Chemnitz/Köthen. Einen Mob habe es in Chemnitz nicht gegeben, sagte Ministerpräsident Kretschmer in seiner Regierungserklärung. Und entfachte damit eine große Debatte. Jetzt ruft er zum Zusammenhalt gegen Rechtsextremismus auf.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat nach den fremdenfeindlichen Demonstrationen von Chemnitz und Köthen den Einsatz aller Demokraten gegen Rechtsextremisten gefordert. Nach dem Tod eines 22-jährigen Deutschen im Zusammenhang mit einem Streit zwischen zwei Männergruppen in Köthen in Sachsen-Anhalt sprach Kretschmer am Montag beim Eintreffen zu Sitzungen der CDU-Führungsgremien in Berlin von einem schlimmen Fall. Mit Blick auf die Demonstrationen am Sonntag betonte er aber auch: „Die Köthener haben das mit großem Anstand gemacht.“

Es seien wieder zugereiste Rechtsextreme gewesen, die in der Stadt versucht hätten, die Stimmung zu beeinflussen, sagte Kretschmer. „Wir müssen in dieser Zeit zusammenhalten.“ Rechtsextremisten würden immer wieder versuchen, die Stimmung aufzuheizen. „Deswegen ist es gerade wichtig, dass Demokraten, anständige Menschen auch bei der Wortwahl aufpassen, dass wir nicht das Spiel dieser Menschen mitmachen und leichtfertig die Stimmung anheizen.“ Es gebe in Deutschland einen starken Rechtsstaat mit entschieden handelnder Polizei, Gerichten und Staatsanwaltschaften. „Denen müssen wir vertrauen“, sagte Kretschmer.

Nach dem tödlichen Streit zwischen zwei Männergruppen in Köthen schließen die Ermittler Tritte oder Schläge gegen den Kopf als Todesursache aus. Derartige Verletzungen hätten nicht festgestellt werden können, sagte Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) am Montag in Magdeburg. Der 22 Jahre alte Mann sei an akutem Herzversagen gestorben. Eine schwere Vorerkrankung sei bestätigt.

Den genauen Ablauf des Geschehens ließen die Behörden weiter offen. Die Tat sei noch keine 48 Stunden her und man sei mitten in den Ermittlungen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt aus Dessau-Roßlau, Horst Nopens. „Wir können nur wiedergeben, was wir sicher wissen.“

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler kam es in der Nacht zu Sonntag an einem Spielplatz in Köthen zu einem Streit zwischen mindestens zwei afghanischen Staatsbürgern auf der einen und mindestens zwei deutschen Staatsbürgern auf der anderen Seite. Am Ende war der 22-Jährige tot.

Die beiden 18 und 20 Jahre alten Afghanen sitzen wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge in Untersuchungshaft. Der Fall hatte in Köthen Bestürzung ausgelöst. Neben einem Gottesdienst in der Kirche gab es am Abend auch eine Spontandemonstration mit 2500 Teilnehmern. Dafür hatten rechte Gruppen mobilisiert. Für Montagabend hat die AfD eine weitere Veranstaltung in Köthen angekündigt.

Gut zwei Wochen nach dem Tod eines Deutschen in Chemnitz durch Messerstiche wird nach dem dritten Tatverdächtigen auch außerhalb von Deutschland gesucht. Es werde international gefahndet, teilte die Staatsanwaltschaft Chemnitz am Montag auf Anfrage mit. „Natürlich kann man nicht ausschließen, dass sich der Beschuldigte nicht mehr in Deutschland aufhält“, sagte eine Sprecherin der Behörde. Die bisherigen Hinweise hätten noch keine Rückschlüsse auf einen bestimmten Aufenthaltsort des Gesuchtenergeben.

Seit vergangenem Dienstag wird nach einem 22 Jahre alten Iraker gesucht. Er wird verdächtigt, gemeinsam mit zwei weiteren Asylbewerbern am 26. August einen 35-jährigen Mann in Chemnitz auf offener Straße erstochen zu haben. Polizei und Staatsanwaltschaft warnten davor, dass der 22-Jährige bewaffnet sein könnte.

Die anderen beiden Tatverdächtigen, die vermutlich aus dem Irak und aus Syrien stammen, sitzen in Untersuchungshaft. Beide haben laut Staatsanwaltschaft Aussagen zu den Tatvorwürfen gemacht. Über den Inhalt gab sie keine Auskunft. Der Messerattacke soll ein Streit vorausgegangen sein. Die Staatsanwaltschaft machte keine Angaben dazu, ob die laut Polizei „verbale Auseinandersetzung“ eventuell um Zigaretten oder einen versuchten EC-Kartenraub ging.

Der Tod des Deutschen hatte in Chemnitz eine Serie von Protesten und Demonstrationen ausgelöst. Insbesondere rechtsgerichtete und rechtspopulistische Kräfte hatten immer wieder zu Kundgebungen aufgerufen.

Dagegen gab es Demonstrationen und Veranstaltungen wie das Konzert „#wirsindmehr“ mit 65 000 Teilnehmern.

(dpa)