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Korbflechten für Fortgeschrittene

Wenn Menschen twittern, geht das manchmal daneben. Wenn Politiker twittern, wird es erst dann interessant, wenn was daneben geht.

Auf einmal interessieren sich jetzt viele Leute für das Getwitter des Großenhainer CDU-Manns Sebastian Fischer. Der war neulich sehr angeödet, als es hieß, die Oppositionsfraktionen von Linken und Grünen wollten einen neuen Untersuchungsausschuss zum Terrortrio NSU beantragen.

"Na Klasse!", kommentierte Fischer via Twitter: "Beschäftigungstherapie geht weiter." Wir halten fest: NSU-U-Ausschuss ist gleich Beschäftigungstherapie. Ein parlamentarisches Gremium, das sich mit den Hintergründen von zehn Morden befasst, mal eben verglichen mit Klöppelkurs und Korbflechten.

Wer ist eigentlich dieser Herr Fischer? Nun, dieser 33-jährige Landtagsabgeordnete, Küchenmeister von Beruf, ist verbraucherschutzpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Ein undankbarer Job, denn ein solcher tritt höchstens dann in Erscheinung, wenn es darum geht, den Veggie-Day der Grünen doof zu finden. Das Thema ist leider durch.

Aber zum Glück gibt es den Kurznachrichtendienst. Dort tritt uns Sebastian Fischer als blauäugiger und blauschlipsiger junger Mann entgegen, der sich um die Themen Heimat und Zukunft kümmert. "Pegida-Vorsänger muss Deutschlandlied ablesen", twitterte er dort auch schon. "Ist jetzt nicht euer Ernst?!" Ist jetzt keine herausragende Kurzprosa, machte aber trotzdem eifrig die Runde, diese Wortmeldung.

Aber Herr Fischer verweist gern auf die Hashtags "#Nation #Vaterland #Deutschland". Da spielt aber einer mit empörungsdynamischen Schlüsselreizen! Wer diese Themenkörbe bestückt, kann auf sein Bröckchen vom Nachrichtenkuchen hoffen: Ja bitte, der junge Mann, letzte Reihe, ganz rechts, Sie wollten was sagen? Wer braucht da noch den Veggie-Day, da kommen die Tomaten sowieso geflogen. Womit Herr Fischer beschäftigungstherapeutisch einen großen Schritt weiter wäre.