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Kooperation bei der Einbrecherjagd

Wohnungseinbrecher haben es in Sachsen und Bayern schwerer.
Wohnungseinbrecher haben es in Sachsen und Bayern schwerer. FOTO: dpa
Dresden/München. Im November 2016 starteten die Innenminister Bayerns und Sachsens ihre Kooperation gegen Wohnungseinbrüche. Nun präsentieren die Innenminister Markus Ulbig (CDU) und Joachim Herrmann (CSU) erste Ergebnisse. Christine Keilholz / ckz1

Beide sprechen von "greifbaren Erfolgen". In Sachsen ist demnach im ersten Halbjahr 2017 die Zahl der Einbrüche gesunken. Ulbig spricht von einem Rückgang von 16,3 Prozent - das macht 2132 Fälle weniger als ein Jahr zuvor. Sein Amtskollege Joachim Herrmann verkündet für Bayern gar einen Rückgang von 14 Prozent. Herrmann ist zufrieden mit der Zusammenarbeit. "Neben Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz haben wir mit Sachsen einen weiteren starken Verbündeten gegen Wohnungseinbrecher gewonnen." Zusammen werde man noch schlagkräftiger gegen grenzüberschreitende Einbrecherbanden vorgehen.

Dafür arbeiten Polizisten beider Länder jetzt viel enger zusammen. Sie teilen Informationen und organisieren gemeinsame Fortbildungen. Auch die Kooperation bei der Prävention von Einbrüchen und in den sozialen Medien wurde verstärkt. Höhepunkt war eine gemeinsame Fahndungs- und Kontrollaktion des Polizeipräsidiums Oberfranken und der Polizeidirektion Zwickau Ende Mai. Knapp 100 Beamte überprüften beiderseits der Ländergrenze binnen weniger Stunden rund 250 Personen und mehr als 50 Fahrzeuge. Es soll nicht das letzte Mal gewesen sein.

Für die Zukunft ist eine abgestimmte Präventionskampagne in den sozialen Netzwerken geplant. Außerdem sollen die Kollegen aus der Tschechischen Republik mit eingebunden werden. Obendrein wollen die beiden Unions-Innenminister beim Bund wirksamere Ermittlungsbefugnisse für die Polizei durchsetzen. Nach der Erhöhung der Mindeststrafe für den Einbruch in Privatwohnungen auf ein Jahr sehen Ulbig und Herrmann weiteren Handlungsbedarf beim Bundesgesetzgeber. Dazu gehört auch mehr Spielraum bei der Telekommunikations-Überwachung von Verdächtigen eines Wohnungseinbruchsdiebstahls. Nur so, meint Herrmann, könne die Aufklärungsquote in diesem Deliktbereich hochgeschraubt werden. Denn die ist erschreckend gering. In Sachsen konnten 2016 gerade mal knapp 20 Prozent der Einbrüche aufgeklärt werden. Nur wenige der Täter können dingfest gemacht werden. Schließlich haben sie meist keine Verbindung zu Ort und Opfer. Viele Einbrüche werden zudem von international agierenden Verbrecherbanden begangen, die hoch professionell und arbeitsteilig vorgehen.

Von den 834 Verdächtigen, die Sachsens Polizei 2016 dingfest machen konnte, war jeder fünfte ein Ausländer. Die mutmaßlichen Einbrecher stammten überwiegend aus Tunesien, Tschechien und Georgien. Sachsen ist eins von zwei Ländern, die im vergangenen Jahr mehr Einbrüche registrierten. Die polizeiliche Kriminalstatistik für 2016 nennt knapp 4700 Fälle.

Erst im Mai gelang der Münchner Polizei ein Schlag gegen einen kroatischen Einbrecher-Clan, der europaweit unterwegs war. Die Ermittler vermuten, dass mehr als 500 Personen an den Taten beteiligt waren. "Binnengrenzen halten die reisenden Täter nicht auf", sagt Ulbig. Deshalb sei es notwendig, dass sich die Ermittlungsbehörden länderübergreifend vernetzen und effizienter gegen Einbrecher vorgehen.

Immerhin bleiben inzwischen immer mehr Einbrüche im Versuch stecken. Laut Sachsens Polizei gehen über 40 Prozent der Einbruchsversuche schief.

Zum Thema:
Bundesweit sind die Einbrüche 2016 zurückgegangen. 151 000 Fälle registrierte die Polizei, das waren fast zehn Prozent weniger als 2015. Damit entspannt sich die Situation leicht nach zehn Jahren Anstieg. Mehr Einbrüche verzeichnete neben Sachsen nur noch Sachsen-Anhalt. In Brandenburg sank die Zahl der Wohnungseinbrüche 2016 um 350 auf 4180 Fälle.