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Kontroverse unter der Kuppel

Die Stadt Görlitz möchte das einstige jüdische Gotteshaus vielfältig nutzen.
Die Stadt Görlitz möchte das einstige jüdische Gotteshaus vielfältig nutzen. FOTO: dpa
Görlitz. Kontroverse unter der Kuppel der Synagoge in Görlitz: Wie der Görlitzer Kulturbürgermeister Michael Wieler (parteilos) sagt, plane die Stadt an erster Stelle die Öffnung der Synagoge als Denkmal. Darüber hinaus sollen im Haus Veranstaltungen wie auch Tagungen und Kongresse stattfinden. Miriam Schönbach

"Unser Ziel ist es, mit einer Öffnung des Hauses an 365 Tagen im Jahr möglichst viele Menschen für die Synagoge zu interessieren", sagt er.

Eigene Veranstaltungen wolle die Stadt nicht organisieren, sondern auf ein Programm-Netzwerk von Akteuren zurückgreifen. Mit Schulen, dem Theater wie auch dem Förderkreis "Görlitzer Synagoge" und Kulturaktiven könnte ein Veranstaltungsprogramm abgestimmt werden. Für Besucher solle es in der 1911 eingeweihten Synagoge Führungen geben. Auch ein Film über die Geschichte der Synagoge sowie die Juden in Görlitz und Umgebung soll gezeigt werden. Geplant sei, dass das Haus durch die Kulturservicegesellschaft im Auftrag der Stadt mit einem Budget von knapp 100 000 Euro betrieben werde.

Der Förderkreis möchte dagegen nach Aussagen des Vorsitzenden Markus Bauer eine spezifischere Ausrichtung mit einem expliziten Programmauftrag. Ebenso sollte für eine Dauerausstellung über das jüdische Leben in Görlitz im Haus Platz sein. Eine solche Schau ist bisher nicht im städtischen Konzept vorgesehen. "Wir wollen eine Nutzung für die Synagoge finden, die an den Ursprung und die Bestimmung des Gebäudes anknüpft. Das ist kein neutraler Raum", sagte Bauer. Ihm fehle im städtischen Konzept der "rote Faden".

Derzeit ist die Synagoge noch Baustelle. Anfang 2019 sollen die denkmalgerechte Sanierung und die technische Vorbereitung für eine künftige Nutzung abgeschlossen sein. An den Gesamtkosten von mehr als 3,7 Millionen Euro beteiligen sich Bund und Land zu gleichen Teilen. Die Stadt Görlitz steuert über 300 000 Euro bei. Daneben sind Mittel der Altstadtstiftung Görlitz, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung Bestandteil der Finanzierung.

Die Görlitzer Synagoge gilt als eine der bedeutendsten ihrer Art in Deutschland. Das Gebäude überstand als einziges in Sachsen die Pogromnacht 1938. Dann geriet sie in Vergessenheit. Das Engagement Görlitzer Bürger nach der Wende führte zu ihrem Erhalt. Seit 2004 kümmert sich der damals gegründete Verein "Förderkreis Görlitzer Synagoge" unter anderem mit Lesungen, Konzerten und Tagungen um die Erinnerung an jüdisches Leben in Görlitz. 2012 wurde die Synagoge als Baudenkmal von nationaler Bedeutung eingestuft.