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| 01:07 Uhr

Könige haben wieder ihre Ruhe gefunden

Die sächsischen Könige haben ihre Ruhe wieder gefunden. Rund elf Monate nach der großen Flut im August vergangenen Jahres sind die Grüfte unter der Kathedrale, der ehemaligen Katholischen Hofkirche, wieder frisch geweißt und restauriert. Die insgesamt 47 Sarkophage, in denen die Mitglieder des vormaligen sächsischen Herrscherhauses ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, sind getrocknet und wieder verschlossen. Von ralf hübner

Es war am 13. August des vergangenen Jahres, als die Weißeritz, ein unscheinbarer Erzgebirgsbach, nach heftigen Regenfällen das Dresdner Stadtzentrum überflutete. Das Wasser in den Grüften der Kathedrale kam durch den Heizungskanal. Nachdem der erste Raum geflutet war, sei die Tür mit einem lauten Knall aufgesprungen, eine wahre Flutwelle habe sich in die Grüfte ergossen, erinnert sich Bauleiter Norbert Seidel von der Staatlichen Bauverwaltung. Lediglich die Neue Gruft mit dem Sarkophag des letzten sächsischen Königs, Friedrich August III., blieb zunächst verschont. Als sich die Weißeritz wieder zurückzog, schien das Schlimmste schon überstanden, doch dann drückte die Elbe von unten in die Gewölbe und setzte auch diesen letzten Raum 2,80 Meter unter Wasser. Die schweren Sarkophage begannen zu schwimmen, liefen voll Wasser und kamen teilweise übereinander wieder zu liegen. Ei n Bild der Verwüstung.
Jetzt erinnert nichts mehr an die Katastrophe. Die Sarkophage wurden geöffnet und getrocknet, die Räume gesäubert und wieder hergerichtet. Pumpanlagen sollen ein ähnliches Szenario künftig verhindern. Lediglich die Alte Gruft ist noch nicht wieder zugänglich. Die Baukosten für die Instandsetzung werden mit insgesamt 220 000 Euro beziffert.
So wie in der Kathedrale sind auch in der Stadt Dresden selbst die Spuren der Flutkatastrophe weitgehend verschwunden. Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP) ist froh, dass die Stadt äußerlich wieder den gewohnten Eindruck gemacht. Auch die Touristen sind wieder zurückgekehrt. Dennoch steht ein Großteil der mit der Flut verbundenen Baumaßnahmen erst noch bevor. Die Stadt hat den ursprünglich beantragten und genehmigten 343 Millionen Euro zur Schadens beseitigung eine Nachmeldung von 281 Millionen Euro angefügt. Die Ausschreibungsverfahren brauchen Zeit, und so wurden erst reichlich 50 Millionen Euro verbaut, jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Ende nächsten Jahres soll alles fertig sein. Es geht um insgesamt 785 Projekte. Baustellen auf den Straßen sorgen im Dresdner Stadtzentrum für Verkehrsstaus. Der Zustand wird sich weiter verschärfen. Es werde Zeiten geben, wo man sich in Dresden am besten zu Fuß fortbewegt, ahnt Roßberg.
Auch die Schutzmaßnahmen, die einer neuen Flut vorbeugen sollen, werden noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Zwar wurde die Übertrittsstelle gesichert, wo die Weißeritz einst über ihr Ufer trat, um dann auf das Bahngelände und die Prager Straße in der Innenstadt strömte, aber für weitere Sicherungsmaßnahmen wären rund 25 Millionen Euro nötig, die nicht vorhanden sind. Der Leiter des Dresdner Umweltamtes, Christian Korndörfer, ist sich sicher. Wenn jetzt ein Hochwasser käme, sähe es nicht viel anders aus als vor einem Jahr.