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| 23:46 Uhr

Zahl der Wölfe in Deutschland unklar
Koalitionspartner beim Wolf wieder uneins

Michael Stübgen (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium.
Michael Stübgen (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium. FOTO: pr
Berlin. Deutschland hat die Messlatte beim Artenschutz des Wolfes höher gelegt als das europäische Gesetz. Die geplante Rolle rückwärts ist wieder in Frage gestellt.

Ein – bewusster oder auch bedauerlicher – protokollarischer Fehler im Koalitionsvertrag der Unionsparteien mit der SPD zur „letalen Entnahme“ von Wölfen, also dem todbringenden Eingriff in den Bestand, erschwert die zuvor vereinbarte Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes extrem. Das erklärt Michael Stübgen (CDU), der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium. Denn, so erläutert er, Deutschland müsse lediglich den exakten Wortlaut der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) in die nationale Gesetzgebung übernehmen, um den Weg für ein aktives Populationsmanagement für den Wolf hierzulande frei zu machen. Die notwendigen Regelungen seien längst da. Und europäische Nachbarn wie die skandinavischen Länder handelten bereits mit dem gezielten jagdlichen Eingriff in die Wolfsbestände. Deutschland nicht.

Doch statt der klaren Vereinbarung zum Anpassen des deutlich schärferen Bundesnaturschutzgesetzes sei im Vertrag lediglich gelandet: Brüssel solle gefragt werden, ob die Europäische Union ihre Haltung zum Wolf verändere. Dies, so prophezeit Stübgen, werde Brüssel verneinen. „Mit dieser Frage muss Deutschland in Brüssel scheitern. Nicht, weil die da etwa böse sind, sondern weil bereits alle Möglichkeiten gegeben sind“, sagt der Bundespolitiker. Der „günstige Erhaltungszustand“ der Art müsse dann nur festgestellt werden. Und Stübgen sieht diesen mit mehr als 1000 Wölfen gegeben. Diese Zahl allerdings wird, vor allem von Naturschutzverbänden, stark angezweifelt. Und offizielle Angaben und Hochrechnungen zum Wolfsbestand gibt es in Deutschland nicht.

Michael Stübgen beklagt: Die Sozialdemokraten lehnten das entschärfende Anpassen des Bundesnaturschutzgesetzes an die europäische Gesetzgebung kategorisch ab. Der Druck von unten werde gebraucht, um auf Bundesebene voranzukommen. Das hat er dieser Tage vor Jägern, Nutztierhaltern und Anwohnern im Wolfsgebiet bei Niesky erklärt.

Der Koalitionsvertrag. Der Artikel „Weidetierhaltung“ auf der Seite 89 steht in der kontroversen Debatte zum Wolfsmanagement in der Kritik.
Der Koalitionsvertrag. Der Artikel „Weidetierhaltung“ auf der Seite 89 steht in der kontroversen Debatte zum Wolfsmanagement in der Kritik. FOTO: dpa / Kay Nietfeld

Laut einer Forsa-Umfrage vom April des laufenden Jahres ist die Akzeptanz der Deutschen für den Wolf groß. Mehr als 75 Prozent der Bevölkerung sagen demnach, dass Wölfe auch hier leben sollten, wenn es zu Problemen mit ihnen kommt.

Der Christdemokrat spricht von einer „merkwürdigen Stimmung in Deutschland beim Tier- und Artenschutz“. Für diese hat er eine Erklärung: Knapp die Hälfte der deutschen Bevölkerung lebe in Ballungsräumen mit herzlich wenig Zugang zu Wildtieren. Der Wolf werde deshalb nicht objektiv betrachtet. Michael Stübgen nennt das Phänomen „Kuscheltierromantik“, die an der Realität des Lebens im ländlichen Raum vorbeigehe.

(kw)