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Kinder werden immer dicker und haben Haltungsschwächen

Dresden. Sachsens Sozialministerin Helma Orosz (CDU) will verstärkt gegen gesundheitliche Fehlentwicklungen bei Kindern vorgehen. „Unsere Kinder werden immer dicker, haben vermehrt Haltungsschwächen und teilweise auch Sprachstörungen“, kritisierte die Ministerin gestern in Dresden.. Zudem hätten sich diese Entwicklungen nach den Ergebnissen einer WHO-Studie in den vergangenen Jahren deutlich verschärft.

Daher kündigte Orosz für den Freistaat verschiedene Maßnahmen, wie eine Sprachuntersuchung, ein Trainingsprogramm sowie die verstärkte Bewegungsförderung bereits in Kindertagesstätten an, um diese Negativtrends zu durchbrechen.
Die Ministerin sprach von einer "höchst beunruhigenden" Entwicklung. Während im Schuljahr 1997/1998 nur jedes zwanzigste untersuchte Kind (4,6 Prozent) zu dick gewesen sei, mussten fünf Jahre später bereits 15 Prozent der Kinder als übergewichtig eingestuft werden. Die Zahl der von Sprachstörungen betroffenen Kinder im Einschulungsalter erhöhte sich vom Schuljahr 1994/1995 bis zum vergangenen Jahr von 16 auf mehr als
23 Prozent. Auch die Zahl der Haltungsschwächen bei Kindern, die sich im Vergleich zu den später daraus hervorgehenden Haltungsschäden durch aktives Muskeltraining noch ausgleichen ließen, habe enorm zugenommen.
Bereits ab dem kommenden Schuljahr sollen Kinder ab dem vierten Lebensjahr in den Kindertagesstätten auf Sprachauffälligkeiten untersucht werden. Dieser freiwillige Test stelle eine zusätzliche Untersuchung zur Einschulungsuntersuchung dar. Mit einem aufwändigen Testverfahren sollen dabei Artikulationsvermögen, Wortschatz und Sprachverständnis der Kinder durch Experten untersucht und bei Bedarf über entsprechende Maßnahmen beraten werden. Bei einer entsprechenden Pilotstudie in Chemnitz im Jahr 2001 seien bei einem Drittel der Kinder Sprachstörungen festgestellt worden. Zur Finanzierung des Angebotes machte die Ministerin keine Angaben.
Um den Haltungsschwächen gezielt vorzubeugen, will die Ministerin ein entsprechendes Trainingsprogramm für den Sportunterricht entwickeln lassen. Gegen die zunehmende Übergewichtigkeit von Kindern soll die Bewegung in Schulen und Kindertagesstätten gefördert werden. In diesem Zusammenhang sei bereits das Projekt "Gesundheitsfördernde Schule in Sachsen" etabliert worden, bei dem zusammen mit zehn Schulen ein Konzept zur gesundheitsfördernden Schule entwickelt werde.
Den Schulsport nannte Orosz in diesem Zusammenhang "unverzichtbar". Er müsse "in Qualität und Quantität erhalten bleiben", da er für viele Kinder heute die einzige sportliche Betätigung sei. (ddp/bra)