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| 02:38 Uhr

Keine Pille für den Waschbären

Mink, Marderhund und Waschbär breiten sich immer mehr aus. Der Mensch ist daran nicht ganz unschuldig.
Mink, Marderhund und Waschbär breiten sich immer mehr aus. Der Mensch ist daran nicht ganz unschuldig. FOTO: dpa
Dresden. Mink, Marderhund und Waschbär besetzen Gartenlauben und Dachböden und werden vielerorts zur Plage. Deshalb ist immer öfter die Rede von Gift. Aber das ist tückisch. Christine Keilholz / ckz1

Gift einzusetzen gegen eingewanderte Wildtiere ist laut Bundesjagdgesetz verboten, stellt Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) klar. In einem Antrag hatten die Regierungsfraktionen von CDU und SPD im Landtag brachiale Mittel gefordert. Neben Giftködern sollte Schmidts Haus auch Methoden der Sterilisation prüfen, damit sich die frechen Pelztiere nicht weiter ausbreiten. Doch die Stellungnahme, die der Minister nun vorgelegt hat, ernüchtert. Kurzfassung: Gift geht nicht, Jagd bringt nicht viel, geht aber. Und was die "innovativen Maßnahmen zur Verminderung der Reproduktionsraten" betrifft, die seien teuer, und kein Mensch wisse, was sie bringen.

Mink, Marderhund und Waschbär breiten sich immer mehr aus. Woran der Mensch nicht unschuldig ist. In den 1960ern, als die Dame noch Pelze trug, in Deutschland eingeführt, eroberten die drei schnell die freie Wildbahn. Der Marderhund kommt ursprünglich aus Asien. Er ist nachtaktiv wie der amerikanische Nerz, auch Mink genannt, dem einst die Trapper in Kanada Fallen stellten.

Der frechste und zugleich niedlichste dieser sogenannten Neozoen - also eingewanderten Wildtieren - ist der Waschbär. Wäre er nicht so niedlich, wäre er nicht so allgegenwärtig. Denn immer wieder machen naive Tierfreunde den Fehler, dem Waschbär Futter anzubieten, wenn er im Garten steht. Weil der Waschbär eben auch clever ist, kommt er dann immer wieder. Oder er zieht gleich in die Garage, baut sich ein Nest in der Dämmwolle und strullert auf Stromleitungen.

So hat sich der Waschbär über die Jahre mit dem Menschen arrangiert - und wie der zieht er immer öfter in die Stadt. Die Behörden sprechen hier im Behördensprech von "invasiven Arten", also Einwanderern. Als solche gelten, streng genommen, auch Mufflons und Rothirsche, denn auch die waren nach der letzten Eiszeit noch nicht hier. Doch die Frage ist auch immer, wie sehr so ein Tier nervt. Beim Waschbär ist die Toleranz inzwischen ziemlich ausgereizt, das zeigt schon die Jagdstatistik. 10 000 Waschbären kamen in der Jagdsaison 2015/2016 vor die Flinte. Vor fünf Jahren waren es noch 3000.

Doch sind sich die Experten in Europa längst einig, dass auch durch Abschuss die weitere Ausbreitung dieser Arten nicht verhindert werden kann - "bestenfalls verlangsamt", lässt Umweltminister Schmidt wissen. Dafür bedürfe es einer "lntensivierung der Jagd durch eine fachlich qualifizierte Jägerschaft", schreibt er im Bericht.

Was den Einsatz von sogenannten Ovulationshemmern - also Anti-Baby-Pille - betrifft, winkt der Minister ab. Erlaubt sei sowas laut Bundesrecht bei Wildtieren sowieso nicht. Zudem müsse man dann die Behandlung jedes Jahr wiederholen. Man könnte auch entsprechende Köder auslegen. Aber wer weiß, wer die dann tatsächlich frisst. Vom Leibnitz-lnstitut für Zoo- und Wildtierforschung hat sich Schmidt die Entwicklungskosten für solche Hemmer vorrechnen lassen: Eine Million Euro. Damit stellt die Waschbärpille leider "keine praktikable Lösung dar".

Schmidt setzt lieber auf Waschbär-Management und "räumlich begrenzte und schutzobjektbezogene Abwehrmaßnahmen". Das bedeutet Repression statt Prävention. Zudem bringt sein Haus im Juli ein Faltblatt heraus zur Aufklärung der Bevölkerung. Dort steht wahrscheinlich drin, dass man Waschbären niemals, niemals, niemals füttern darf.

Die Wahrscheinlichkeit von wirtschaftlichen Schäden ist beim Waschbär am höchsten, da er gern menschliche Siedlungen aufsucht. Sächsische Schwerpunkte sind Nordsachsen, das Elbland und die Oberlausitz. Mink und Marderhund sind nachtaktiv und scheu, leben in Wäldern, meiden die Stadt. Marderhunde leben größtenteils in Ostdeutschland, hier kommen sie in drei Vierteln aller Jagdreviere vor. Der Mink breitet sich an Flüssen aus.