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Kein Garten Eden, dafür eine Wohlfühloase

Reden wir an dieser Stelle mal nicht nur von Politik. Es gibt schließlich Wichtigeres.

Das Glück zum Beispiel. Neulich war Tag des Glücks, der für die meisten von uns ganz unbemerkt kam und ging. Glück ist als Thema fürs Tagesgeschäft zu sperrig. Umso mehr erfreut es da, dass Parteien und Politiker das Glück nach und nach als neues Betätigungsfeld entdecken.

Als Vorhut ist die Linke unterwegs. Deren sächsischer Landeschef, Rico Gebhardt, hat seine innere Enquete-Kommission tagen lassen und kommt zum Ergebnis: "Fürs Glück braucht man keine Politik. Aber gute Politik erleichtert Menschen den Weg zum Glück." Wer wolle das bestreiten?

Um nun noch zu klären, was "gute Politik" ist, hat sich die Linken-Landtagsfraktion soeben kirchlichen Beistand eingeladen. Bischof Heiner Koch, das Oberhaupt der Katholiken von Dresden-Meißen, schaut demnächst bei der Fraktion vorbei. Ziel ist das Ausloten von inhaltlichen Schnittmengen, so ist von beiden Seiten zu hören. Und schon singt im Hintergrund der Chor der Oberschlauen, die schon immer gewusst haben, dass der Kommunismus nichts anderes ist als Religionsersatz - obwohl da im frühen Stadium noch die Gespenster umgingen.

In der Tat gibt es da viele Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel, dass beide Seiten der Welt große Verheißungen angeboten haben, die leider in der Praxis scheitern mussten, zumindest nach Ansicht von Rico Gebhardt. Jesus hielt die Bergpredigt, Marx versprach das klassenlose Paradies.

Bei beidem ging es um Glück. Aber halt, längst sind nicht alle Unterschiede ausgeräumt: "Wir als sächsische Linke versprechen nicht den Weg in den Garten Eden auf Erden", stellt der Partei- und Fraktionschef klar, pünktlich zum Beginn der Gartensaison. Nein, das Glück der Linken ist irdischer Natur. So wäre "die Abwahl von CDU und FDP aus der Regierung am 31. August ein Glücksmoment für Sachsen". Für diesen Fall steht Rico Gebhardt schon als Glückspilz bereit.

Schnell nochmal zurück zum Glück, weil's so schön ist. Über das Glück als solches, wie man es bekommt, genießt und festhält, wurden schon Bücherregale von Leipzig bis Dresden vollgeschrieben. Jetzt schaltet sich auch Chemnitz ein. Auch die dritte, immer etwas unterschätzte Sachsen-Metropole will endlich ihr Stück von der großen Glücks-Torte abhaben.

Deshalb hat Chemnitz jüngst eine Image-Kampagne gestartet. "Die Stadt bin ich" heißt das dazugehörige Internet-Portal. Und siehe da: Schon rotten sich auf Facebook die Chemnitz-Enthusiasten zusammen. Mehr als 1200 Leuten gefällt die Kampagne. Die feiern ihre Stadt als Hort von Leidenschaft und Herzblut. Oder gar als Wohlfühloase. Eben! Wer soll da noch lange den Garten Eden auf Erden suchen?