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| 06:16 Uhr

Wirtschaft
Metaller wollen Siemens-Chef an Worten messen

Trotz der wohlwollenden Worte vom Chef bleiben die Siemens-Arbeiter in Görlitz kampfbereit.
Trotz der wohlwollenden Worte vom Chef bleiben die Siemens-Arbeiter in Görlitz kampfbereit. FOTO: Pawel Sosnowski / dpa
Davos/Görlitz. Kaeser verspricht dem Turbinenwerk eine Zukunft: „Wir werden Görlitz nicht fallen lassen.“ Verkaufspläne bei Bombardier. dpa

Die IG Metall hat die hoffnungsvollen Äußerungen von Siemens-Chef Joe Kaeser zum von Schließung bedrohten Turbinenwerk in Görlitz begrüßt. „Wir nehmen das wohlwollend zur Kenntnis“, sagte Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen am Donnerstag in Görlitz. Kaeser hatte am Mittwoch am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos gesagt: „Wir werden Görlitz nicht fallen lassen. Wir werden diesen Menschen helfen, wir geben ihnen eine Zukunft.“ Er wisse zwar noch nicht wie, aber es werde einen Weg geben. Siemens sei wirtschaftlich stark genug.

„Wir werden den Siemens-Chef an seinen Aussagen messen, aber so lange weiter kämpfen, bis eine Schließung des Werkes vom Tisch ist“, betonte Otto in Görlitz.

Der Industriekonzern will wegen schlechter laufender Geschäfte in der Kraftwerks- und Antriebstechnik weltweit rund 6900 Jobs streichen, rund die Hälfte davon in Deutschland. Zwei Standorte in den sächsischen Städten Görlitz und Leipzig sollen komplett geschlossen werden. Tiefe Einschnitte sind auch in Berlin, Offenbach und Erfurt geplant.

Indes schließt der Schienenfahrzeughersteller Bombardier einen Verkauf seines Werkes in Görlitz mit 1300 Beschäftigten nicht aus. Das Unternehmen habe Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft mit externen Partnern signalisiert, um ergebnisoffen auch alternative Zukunftskonzepte für den Standort zu prüfen, teilte Bombardier am Donnerstag mit. Ziel sei, die langfristig beste Lösung für den Standort Görlitz und seine Mitarbeiter zu finden.

„Ein Verkauf ist eine Chance“, sagte Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen. An den Verhandlungen müssten jedoch die Gewerkschaft und der Betriebsrat umfänglich beteiligt werden. Zudem müsste die komplette Belegschaft übernommen und eine Lösung für die vielen Leiharbeiter gefunden werden. „Einen Investor, der nur an einer kurzfristigen Rendite auf Kosten der Belegschaft interessiert ist, lehnen wir ab.“ Das Bombardierwerk in Görlitz müsse als Vollbahnhersteller erhalten bleiben.

Für die Arbeiter bei Bombardier endet die Beschäftigungsgarantie Ende 2019. Der kanadische Schienenfahrzeughersteller hatte angekündigt, in den nächsten Jahren bis zu 2200 der deutschlandweit 8500 Arbeitsplätze abzubauen. Das Unternehmen will jedoch in diesem Jahr rund fünf Millionen Euro in den Standort Görlitz investieren, um das Werk zu einem Kompetenzzentrum für den Bau von Wagenkästen auszubauen. Zu den möglichen Käufern will sich Bombardier aus Wettbewerbsgründen derzeit nicht äußern.