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Wirtschaft
„Kämpfen, auch wenn es wehtut“

Siemens-Personalvorstand Janina Kugel bei der Jahrespressekonferenz.
Siemens-Personalvorstand Janina Kugel bei der Jahrespressekonferenz. FOTO: Tobias Hase / dpa
München/Görlitz. Janina Kugel ist die Frau, auf die jetzt bei Siemens alle schauen. Die Personalchefin managt die angekündigten Entlassungen und Schließungen. Wie die im Görlitzer Turbinenwerk. Von Christine Keilholz

Die Frau, die den Stellenabbau durchziehen soll, wurde schon als „Star“ oder gar „Popstar“ bezeichnet.

Zumindest gilt die 47-jährige Managerin als „Vorzeigefrau bei Siemens“. In der vergangenen Woche kündigte sie an, dass der Konzern weltweit an die 7000 Stellen streichen will. Nun hat Janina Kugel eine harte Aufgabe vor sich. Eine Bewährungsprobe für eine Frau, die sich in einer harten Branche zäh nach oben gearbeitet hat.

Personalmanagerin Kugel muss allein in Deutschland 3000 Stellen abbauen, Werke schließen und verkleinern, und das möglichst ohne offenen Krieg mit den Arbeitnehmervertretern. Für die Lausitz besonders tragisch: Auch im Turbinenwerk in Görlitz sollen bald die Lichter ausgehen. Hier trifft der Abbau 900 Mitarbeiter. Die von der Konzernleitung genannten Gründe für die Schließung klingen für Görlitzer ziemlich hohl. Denn die Auftragsbücher sind voll, heißt es von Betriebsrat und Politikern vor Ort.

Aus dem Vorstand des 170 Jahre alten Unternehmens klingt das indes anders.

Die Energieerzeugungsbranche befinde sich „in einem Umbruch, der in Umfang und Geschwindigkeit so noch nie dagewesen ist“, heißt es von dort.

Die Nachfrage nach großen Gasturbinen mit einer Leistung über 100 Megawatt am Weltmarkt ist drastisch gesunken. Vor ein paar Jahren stellte Siemens noch 400 Turbinen her – auf Dauer werden es wohl nur noch 100 sein. Also müsse gekürzt werden. „Wir werden diese Maßnahmen sorgfältig, umsichtig und langfristig anlegen“, erklärte Personalmanagerin Kugel am Donnerstag vergangene Woche.

Umsichtig und langfristig hat die Managerin auch ihre eigene Karriere geplant. Die gebürtige Stuttgarterin hat Volkswirtschaft in Mainz und Verona studiert und danach als Unternehmensberaterin gearbeitet.

Mit Anfang 30 stieg sie bei Siemens ein, Im Jahr schaffte sie den Sprung in den Vorstand, wo sie für Personalentwicklung zuständig ist. Als junge Frau mit nicht urdeutschem Aussehen betont sie, dass sie gern, dass sie „Kraft aus dem Anderssein“ zieht. Man muss sich „reinhängen, kämpfen, auch wenn es weh tut“, so wurde sie kürzlich zitiert.

Tausende Stellen zu kürzen tut weh. Als Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser vor zwei Wochen das Rekord-Jahresergebnis präsentierte, leitete er beim Thema Entlassungen schnell zu Janina Kugel über. In Kaesers Fahrwasser hat Kugel Karriere gemacht – nun muss sie sich bewähren in zähen Gesprächen mit Mitarbeitern und Betriebsräten.

Die Görlitzer jedenfalls wollen sich nicht in ihr Schicksal fügen. Sie befürchten, dass Siemens die Turbinenherstellung schlichtweg ein paar hundert Kilometer weiter östlich im tschechischen Brno groß aufziehen will.

Dass ihre Jobs dorthin verlagert werden, weil die Löhne in Tschechien billiger sind, dagegen wehren sich die Görlitzer Turbinenwerker. Am Donnerstag wollen sie in Berlin Druck machen, wenn dort  Gesamtbetriebsrat und Vorstand von Siemens zu Gesprächen zusammentreffen. Der Vorstand muss das Ruder herumreißen, fordern die Görlitzer Mitarbeiter. Die Zukunft ihres Werks dürfe nicht „an minimalen Investitionen scheitern“.