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Justiz
Entzug hinter Gittern

ARCHIV - Die beleuchtete Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen (Sachsen) am 12.12.2013 im Abendlicht. Der Jugendstrafvollzug in Regis-Breitingen bekommt im Juni eine Therapiestation für Suchtabhängige. Dafür sind 11 Plätze vorgesehen, teilte das Justizministerium mit. (zu dpa «JVA Regis-Breitingen bekommt Suchtstation für Crystal-Abhängige» vom 26.02.2017) Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
ARCHIV - Die beleuchtete Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen (Sachsen) am 12.12.2013 im Abendlicht. Der Jugendstrafvollzug in Regis-Breitingen bekommt im Juni eine Therapiestation für Suchtabhängige. Dafür sind 11 Plätze vorgesehen, teilte das Justizministerium mit. (zu dpa «JVA Regis-Breitingen bekommt Suchtstation für Crystal-Abhängige» vom 26.02.2017) Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit FOTO: Jan Woitas / dpa
Dresden/Regis-Breitingen. Sachsens härtester Knast bekommt eine Therapiestation für suchtkranke Gefangene. Das ist auch bitter nötig. Von Christine Keilholz

Am morgigen Freitag eröffnet Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) eine Suchttherapiestation in der Jugendstrafvollzugsanstalt in Regis-Breitingen (Kreis Leipzig). Die wird damit die zweite im Freistaat, in der die Gefangenen Therapiemöglichkeiten bekommen, um von den Drogen loszukommen.

Drogenkonsum im Knast ist eine der großen Herausforderungen im Justizvollzug. Die neue Droge Crystal Meth hat das Problem dramatisch verschärft. Immer häufiger finden Justizbeamte in den Zellen Drogentütchen. Mehr und mehr junge Strafgefangene kommen bereits als Süchtige ins Gefängnis. Hinter Gittern konzentriert sich die Drogensucht mehr als außerhalb. Das betrifft besonders stark die Bundesländer, durch die die illegale Handelsroute der Modedroge Crystal Meth führt.

Laut Schätzungen des Justizministeriums sind von den rund 3600 Strafgefangenen in Sachsen an die 900 abhängig von Crystal. Experten berichten von süchtigen Strafgefangenen, die schwerstgeschädigt und mit den üblichen Resozialisierungsmaßnahmen gar nicht mehr ansprechbar sind.

Hinzu kommt, dass Kriminalität und Sucht einander häufig bedingen. Ein Teil der Diebstähle, Raub und Einbrüche ordnet die Polizei als Beschaffungskriminalität ein, mit der sich Abhängige den nächsten Drogenschub finanzieren.

2014 richtete das Justizministerium eine erste Therapiestation im Gefängnis Zeithain (Kreis Meißen) ein – die erste Station dieser Art bundesweit. Unter fachärztlicher und psycho-therapeutischer Leitung werden dort 20 Therapieplätze für Inhaftierte aus ganz Sachsen unterhalten. Die Betroffenen werden in Zeithain auf der Station von den anderen Gefangenen abgeschottet, bekommen spezielle Kurse und Beschäftigungsprogramme. Sie backen Brot in der Gemeinschaftsküche, sie essen gemeinsam.

Um des Drogenkonsums auch hinter Gittern Herr zu werden, mussten in Zeithain auch die Sicherheitsmaßnahmen verschärft werden. So wurden die Überwurf-Fangzäune um die JVA erhöht, damit sich süchtige Insassen keine Drogen von außen besorgen können. Denn nicht wenige abhängige Gefangene kommen erst im Strafvollzug in Kontakt mit der Droge. Wer konkret im Verdacht steht, darf Besucher nur hinter der Trennscheibe empfangen.

Zudem hat die Justiz sechs Drogenspürhunde ausbilden lassen, die in den Gefängnissen reihum Dienst tun. Die Zeithainer Station gilt zwar als beispielhaft – doch die 20 Therapieplätze reichen hinten und vorn nicht.

Mit der neuen Station in Regis-Breitingen kommen elf weitere Plätze dazu. Das Haus hat knapp 350 Haftplätze für jugendliche und heranwachsende männliche Gefangene. Bislang hatten Abhängige in Regis-Breitingen nur die Möglichkeit, sich auf eine Suchtentwöhnungsbehandlung vorzubereiten. Sie bekamen also eine Suchtberatung durch externe Berater, um ihre Motivation für den Entzug zu stärken. Die Therapie auf der neuen Station soll acht Monate dauern und ganztägig in einer geschlossenen Gruppe stattfinden.

Von 3600 Strafgefangenen in Sachsen sind  an die 900 abhängig. Viele Jugendliche kommen bereits süchtig ins Gefängnis.
Von 3600 Strafgefangenen in Sachsen sind an die 900 abhängig. Viele Jugendliche kommen bereits süchtig ins Gefängnis. FOTO: Peter Endig / dpa