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| 01:37 Uhr

„Jette“ lässt die Puppen tanzen

Einst verteilte sie Zensuren, heute sorgt sie mit ihrem Puppentheater für Spaß – Marietta Schuster. Foto: Picture Point
Einst verteilte sie Zensuren, heute sorgt sie mit ihrem Puppentheater für Spaß – Marietta Schuster. Foto: Picture Point FOTO: Picture Point
Für Träume ist es nie zu spät. Als die Lehrerin Marietta Schuster (52) aus Schkeuditz bei Leipzig mit knapp 50 Jahren arbeitslos wurde, schulte sie sich selbst als Puppenspielerin um. Von Thomas Gillmeister

Ein alter Wunsch aus Kindheitstagen. Nun steht sie nicht mehr vor der Tafel, sondern hinter der Bühne und präsentiert mit Handpuppen eigene Stücke und Klassiker.

In ihrem Wohnzimmer schaut sie in Gesichter. Denn dort stehen sie in Reih und Glied. Alte Bekannte, wie Schneewittchen und Rotkäppchen. Neue Unbekannte, wie Müllers Liese und Hexe Franziska Kuchenzahn. Die rund 50 großen Puppen wirken lebendig. “Und es sind alles Unikate„, meint Marietta Schuster freudestrahlend. Ihr 82-jähriger Vater entwirft die Köpfe aus dem Kopf heraus. Welche Materialien der ehemalige Malermeister verwendet, bleibt streng gehütetes Familiengeheimnis. Seine Tochter entwirft die Kostüme ein und haucht den Puppen mit flinken Fingern Leben ein. Drei verschiede Bühnen Marietta Schuster inzwischen. Die kleinste hat auf einem Bett im Kinderkrankenhaus Platz, die größte eignet sich für Volksfeste. Wenn die Sächsin mit ihrem gelben Märchen-Mobil vorfährt, ist sie Theaterdirektorin, Bühnentechnikerin und Puppenspielerin in einer Person.

In ganz Mitteldeutschland präsentiert sie ihr Ein-Frau-Theater. “Werden die Spesen bezahlt, fahre ich auch an jeden anderen Ort in Deutschland„, bemerkt die Puppenspielerin, die alle nur “Jette„ nennen. Unterwegs im Auto hat sie die besten Ideen für neue Figuren und Stücke. Heute kann sie sich gar nicht mehr vorstellen, angestellt zu sein. Über 25 Jahre arbeitete sie in Leipzig als Lehrerin. Doch in der letzten Zeit wurde die Freude an der Arbeit von der Angst über ständig befristete Verträge überschattet. “Als ich dann doch die erste Kündigung meines Lebens in den Händen hielt, schwor ich mir, mich nicht mit Hartz IV und Ein-Euro-Jobs bis zur Rente zu hangeln„, war sich Marietta Schuster sicher. Sie überlegte, was sie am besten kann. Puppenspielerin war sie schon immer gern. Als junge Mutter führte sie daheim vor ihren zwei Söhnen Märchen auf, später als Lehrerin bei Festen in der Schule.

Deshalb wagte die Arbeitslose, sich als Puppenspielerin selbstständig zu machen. Sie besuchte ein Existenzgründerseminar, tüftelte mit ihrem Vater die Puppen und Bühnen aus, schrieb eigene Stücke, nahm Sprachunterricht. Danach begann sie, Klinken in Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und bei Städten und Gemeinden zu putzen. Die Tippeltappeltour hat sich gelohnt. Heute bucht man gern das Puppentheater mit dem Phantasienamen “Krambambolo„. Dabei führt Marietta Schuster ihre Stücke auch bei privaten Kindergeburtstagen und in Seniorenheimen auf. Die stärksten emotionalen Erlebnisse hat sie in Kinderkrankenhäusern. Wenn ihr kleine kranke Knirpse hinter der schützenden Scheibe von Isolierstationen zuschauen, lachen und applaudieren, weiß die Puppenspielerin, dass sie nun den richtigen Job gewählt hat. Kontakt: www.krambambolo.de. oder 0160 7339 915