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| 09:28 Uhr

Interview
IS-Braut aus Pulsnitz spricht erstmals im deutschen Fernsehen

 Mutmaßliche Kämpferinnen sind in einen Propaganda-Video der Terrormiliz IS zu sehen. Foto: Syriadeeply.org/ dpa
Mutmaßliche Kämpferinnen sind in einen Propaganda-Video der Terrormiliz IS zu sehen. Foto: Syriadeeply.org/ dpa FOTO: Syriadeeply.org
Pulsnitz/Bagdad. Linda W. aus Sachsen war vor einem Jahr nach Syrien gereist, um sich dem IS anzuschließen. Nun sitzt sie in Jugendhaft in der Nähe von Bagdad. Deutschen Reportern ist es nun gelungen, mit ihr zu sprechen. Von Rüdiger Hofmann (mit dpa)

Im Beisein ihrer Mutter Kathrin W. und ihrer Schwester gab die 17-Jährige Reportern von NDR, SWR und Süddeutscher Zeitung in Bagdad ein Interview. Sie sprach über ihren Radikalisierungsprozess, die Reise in das selbsternannte Kalifat und ihre Erlebnisse im Islamischen Staat. Zudem gab sie sich reuig: „Ich weiß nicht, wie ich auf so eine dumme Idee kommen konnte, zum IS zu gehen. Ich habe mir mein Leben damit ruiniert“, sagte sie.

Im Juli 2016 war Linda W. über Nacht plötzlich aus Pulsnitz verschwunden. Die Mutter hörte lange nichts. „Ich kam vor ihrem Verschwinden schon nicht mehr ran an sie“, sagt Kathrin W. „Außerdem habe ich ihr blind vertraut.“ Ihre Tochter sei selbst im Hochsommer bis oben verhüllt und in schwarz gekleidet herumgelaufen. Eine Freundin hatte ihr eingeredet, zum Islam zu konvertieren. Was sie wenig später auch tat.

Irgendwann erhielt die Mutter nach dem Verschwinden ihrer Tochter dann eine Nachricht: Sie sei am Leben, schrieb Linda W., die Mutter solle sie „nicht zuheulen“. Sie wisse, dass der Verfassungsschutz mitlese, schreibt sie weiter, und dann: „ein paar Worte an euch dreckige Hunde (...) es werden noch viele viele Anschläge bei euch folgen“.

Die Rolle des Generalbundesanwaltes

Der Generalbundesanwalt ermittelt inzwischen gegen Linda W. und die anderen deutschen Frauen im Irak. Linda W. beteuert, nie im Umgang mit Waffen geschult worden zu sein oder Kampferfahrung gesammelt zu haben. Sie wisse nicht, wie eine Waffe funktioniere, sagte Linda W. im Interview, „ich war nur in Häusern, also ich hab nie mit Waffen so richtig was zu tun gehabt, gar nicht.“ Sie beteuert, sie habe sich nur um den Haushalt sowie die Kinder anderer Frauen gekümmert. Beweisen kann man das nach derzeitigem Stand nicht.

Entscheidend wird nun die Rolle der Bundesanwaltschaft in dem Verfahren sein. Diese will die Zügel drastisch anziehen und künftig hart gegen nach Deutschland zurückkehrende Frauen aus Gebieten des sogenannten Islamischen Staates (IS) vorgehen, selbst wenn sie nicht für die Terrormiliz gekämpft haben. „Wir sind der Meinung, dass sich auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Organisation bejahen lässt“, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank. Entscheiden müsse dies der Bundesgerichtshof.

Im ehemaligen IS-Gebiet im Irak waren zuletzt immer mehr Frauen festgenommen worden, darunter Minderjährige. Allein vier Frauen mit deutschem Bezug sitzen in Bagdad in Haft und wurden dort inzwischen von Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) vernommen. So wie Linda W. aus Pulsnitz. Sie hatte sich im Sommer 2016 dem IS angeschlossen und lebte zeitweise in Syrien und im Irak.

Mildernde Umstände?

Sicherheitsbehörden sind besorgt über heimkehrende Frauen aus IS-Gebieten. Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen sagte unlängst: „Frauen, die in den vergangenen Jahren in IS-Gebieten gelebt haben, sind oftmals derart radikalisiert und identifizieren sich so mit der IS-Ideologie, dass man sie mit Fug und Recht auch als Dschihadistinnen bezeichnen kann.“ Laut Bundesanwaltschaft soll es bereits eine terroristische Straftat sein, wenn jemand zum „Staatsvolk“ des IS gehört habe.

Auch im Irak gibt es allerdings die Möglichkeit für ein milderndes Urteil für Minderjährige. Eine Chance für Linda W.? Die Hauptfrage bei dem Verfahren wird sein: Ist Linda W. nun Opfer, Geläuterte oder noch Dschihadistin und damit ein Sicherheitsrisiko? Ihre Familie vertraut ihr - so gut es geht. In den kommenden Monaten steht die 17-Jährige vor Gericht.

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