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In Sachsen wird weiter jeder Lehrer gebraucht

Dresden. 213 Millionen Euro extra, bessere Bezahlung, Nachhilfe für Lehramts-Studenten. Das Maßnahmenpaket von CDU und SPD zur Lehrerversorgung zeigt ganz deutlich: Sachsen kann auf keinen Lehrer verzichten. Christine Keilholz / ckz1

Viele Stunden haben die Verhandlungen am Dienstagabend gekostet, erst nach Mitternacht konnten die Koalitionäre nach Hause fahren. Und das zufrieden, wie gestern bei der Präsentation des neuen sächsischen Bildungspakets in den Gesichtern stand. "Wir haben es geschafft, ein deutliches Signal zu senden, dass der Lehrerberuf ein wichtiger Beruf ist", erklärte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU).

Die Punkte im 213 Millionen Euro teuren Bildungspaket sollen bewirken, dass sich junge Leute "leichten Herzens und mit voller Überzeugung für den Lehrerberuf in Sachsen entscheiden können", so sagte es Tillich. Was aber fast noch wichtiger war nach all den Misstönen und Querschüssen der letzten Wochen und nach etlichen gescheiterten Verhandlungsrunden, sagte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD): "Die Koalition hat Handlungsfähigkeit bewiesen."

Konkret wollen CDU und SPD die Anreize für Lehrer in Mangelregionen und Mangelfächern erhöhen. Dazu gehören auch höhere Einstiegsgehälter an der Oberschule. Ältere Lehrer können mehr Geld verdienen und weniger Stunden unterrichten. Ab Januar sollen die Änderungen gelten.

Dass fast die Hälfte der zuletzt neu eingestellten Lehrer aus anderen Berufen stammt, war eine Sache der Notwendigkeit. "Wir gehen durch ein Tal in den nächsten Jahren", sagt Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) mit Blick auf den Lehrermarkt. Ohne Quereinsteiger wird es in den nächsten Jahren nicht mehr gehen. Aber: "Wir werden sie nicht wieder ins kalte Wasser werfen, wie wir das in diesem Jahr mussten." Stattdessen erhalten die Bewerber eine verbindliche dreimonatige Schulung durch erfahrene Kollegen. Diese Einstiegsfortbildung endet mit einer Bewährungsfeststellung. Danach folgt ein berufsbegleitetes Studium über vier Semester, je nach vorhandenem Hochschulabschluss.

Lehrer an Oberschulen und Förderschulen sollen ab Januar in die Entgeltgruppe 13 eingruppiert werden. Das gilt auch für vollausgebildete Lehrkräfte mit DDR-Abschluss. Mehr Geld bekommen auch die Fachberater, sie werden in die Gehaltsgruppe 14 eingruppiert, wie auch Fachberater an Gymnasien und Berufsschulen.

Lehrer an Grundschulen sollen statt derzeit 28 Wochenstunden nur noch 27 leisten müssen. Weil das mehr Personal erfordert, macht Schwarz-Rot zusätzliche 722 Lehrerstellen für die nächsten beiden Haushaltsjahre locker. Fachberater an Grundschulen sollen nach Entgeltgruppe 13 bezahlt werden.

Derzeit gehen neun von zehn Lehrern vor Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente. Um ältere Lehrer im Job zu halten, enthält das Paket gezielte Anreize. Lehrer sollen ab 63 eine dritte Anrechnungsstunde und einen Gehaltszuschlag von bis zu 780 Euro bekommen.

Lehrkräfte an allgemeinbildenden und Berufsschulen können freiwillige Arbeitszeitkonten einrichten.

Das hart verhandelte Paket löste gestern im politischen Dresden weitgehende Zufriedenheit aus - nicht nur bei den Parteien. Der Landeselternrat würdigte durchaus "wesentliche Schritte, die Rahmenbedingungen in Sachsen deutlich zu verbessern".