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Immer nur Blaulicht

Auch ein Innenminister ist ein Mensch mit Wünschen. Über Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) wissen eingefleischte Ulbig-Experten, dass er auch mal was anderes machen möchte als immer nur Blaulicht. ckz1

Sport zum Beispiel. Ulbig ist zuständig für sächsische Olympiasieger, was immer das heißt. Auch Felix, der freundliche Feuerwehrmann, gehört in Ulbigs Beritt. Und Städtebau. Gern würde der Minister mal gefragt werden, wie er sich die Stadt der Zukunft vorstellt. Aber alle fragen immer nur sowas: "Warum hat die Polizei acht Stunden zu spät von den Dresdner Bomben berichtet?" Immer nur Blaulicht. Vielleicht hätte sich Ulbig ein anderes Bundesland suchen müssen. Baden-Württemberg, da müssen die Ermittler höchstens ran, wenn die Gattin des Regierungschefs beim Protokolltermin ihr Handtäschle verloren hat. Oder Bayern, die brauchen keinen Innenminister, das macht alles der Seehofer mit.

"Bayern steht für Stabilität in einer instabilen Welt", sagt Seehofer. Dass bayerische Stabilitätskriterien auch auf Sachsen anwendbar werden, wünscht sich die Sachsen-CDU so sehr. Doch die da unten sind immer besser.

Wenn die Hütte brennt, sehen die Bayern so viel besser aus. Die schicken einen charmant-zackigen Polizei-Pressesprecher mit zur Hälfte spanischem Namen vor die Kameras. Der sagt: Wir lösen das schon! Und alle glauben es. Und hinterher ist er tagelang everybody's Lieblingsbulle und darf zur Anne und zur Maybritt in die Sitzgruppe. Wenn in Dresden die Hütte brennt, dann bellt Polizeipräsident Horst Kretzschmar - mit scharfem -tzsch - in die Mikros, dass er acht Stunden nichts gesagt hat, weil er keinen Medienrummel wollte, "weil uns das unsere Arbeit erschwert". Der geht in die Magengrube. Und der Innenminister, der daneben sitzt, legt einen Schönen-Dank-auch-Blick auf, weil er weiß, dass er jetzt wieder tagelang Kohlen aus dem Feuer holen muss.

Dabei ist doch große Einheitsfeier. Auch ein Innenminister will mal feiern. Und wo? Auf der Blaulichtmeile. Schönen Dank auch!