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| 02:38 Uhr

Im Hängesessel

Post aus Dresden. Zu Anfang des Jahres zeigt sich traditionell das elegante Sachsen. Das lässt sich sonst selten blicken, jetzt aber flattert es von Neujahrsempfang zu Neujahrsempfang und nimmt zwischendurch noch den Ball mit. ckz1

Voraussetzung für den Zutritt zu diesen hoch angebundenen Ereignissen sind eine Einladungskarte und ein gebügelter Anzug. Oder eben die laufmaschenfreie Strumpfhose, je nachdem.

Damit aber nicht schon wieder der Verdacht aufkommt, hier würde sich eine abgehobene Polit-Kaste selbst feiern und, damit das noch mehr Spaß macht, von der abgehobenen Medien-Kaste bejubeln lassen, sei erwähnt, dass bei diesen Empfängen auch mal die stillen Helden des Alltags zu Ehren kommen.

Der Höhepunkt der Dresdner Neujahrsempfangs-Saison ist der Empfang des Ministerpräsidenten. Im Festspielhaus Hellerau ließ der Gastgeber neulich ausdrücklich "junge Meister" hochleben. Die "Leistungen besonders engagierter, kreativer und talentierter" junger Landsleute.

Applaus für Deutschlands beste Seilerin. Kathleen Henning aus Bad Düben hat im Bundesausscheid ihrer Branche die Männerseilschaften gnadenlos ausgeseilt. Und zwar mit einem astreinen Hängesessel. Der weltbeste Rohrverleger ist auch ein Sachse. Nathanael Lieber-geld aus Aue installiert am flottesten und am genauesten. Dafür gab es im Festspielhaus einen Tusch vom Hornquartett. Und der Gastgeber war zufrieden.

"Es war im vergangenen Jahr nicht immer leicht, Botschafter Sachsens zu sein", berichtete Stanislaw Tillich seinen 800 gebügelten Gästen. Aber ach, kein Grund, sich gramverzehrt in den Hängesessel fallen zu lassen. Lieber flott ans Büfett.

Oh fein, es gibt Gemüsekuchen. Naja, es gab Gemüsekuchen. Die, die zu lange am Stehtisch laberten, bekamen nur noch das Zusammengekehrte. Sei der Beste und der Schnellste, wissen junge Meister.