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| 18:51 Uhr

Interview mit Octavian Ursu
„Ich will OB für alle Görlitzer sein“

 Mit 55 Prozent neuer OB der Filmstadt Görliwood: Octavian Ursu wurde 1967 im rumänischen Bukarest geboren. Nach seinem Studium an der Nationalen Musikuniverstität in Bukarest kam er 1990 nach Görlitz, wo er am Theater eine Stelle als Solo-Trompeter bekam. 2009 trat er in die CDU ein, im Jahr darauf übernahm er den Vorsitz der Görlitzer CDU, später wurde er Kreischef. Seit 2014 sitzt Ursu im Sächsischen Landtag.
Mit 55 Prozent neuer OB der Filmstadt Görliwood: Octavian Ursu wurde 1967 im rumänischen Bukarest geboren. Nach seinem Studium an der Nationalen Musikuniverstität in Bukarest kam er 1990 nach Görlitz, wo er am Theater eine Stelle als Solo-Trompeter bekam. 2009 trat er in die CDU ein, im Jahr darauf übernahm er den Vorsitz der Görlitzer CDU, später wurde er Kreischef. Seit 2014 sitzt Ursu im Sächsischen Landtag. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert
Görlitz. Der Christdemokrat übernimmt Anfang August den Chefposten im Rathaus und setzt auf bürgerliche Mehrheit. dpa

Zum Durchatmen blieb dem neugewählten Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu seit der Wahl am Sonntag noch nicht viel Zeit. Mit 55,2 Prozent lag der Christdemokrat vor dem Kandidaten von der AfD, Sebastian Wippel (44,8 Prozent). Nach einem langen und aufgeheizten Wahlkampf heißt es nun für Ursu, die Menschen in Deutschlands östlichster Stadt wieder zusammenzubringen – und gleichzeitig, Görlitz fit für die Zukunft zu machen.

Octavian Ursu, Sie wurden am Sonntag zum Görlitzer Oberbürgermeister gewählt. Was ist nötig für einen Neuanfang?

Ursu Wir müssen aufeinander zugehen, neue Wege suchen und gemeinsame Projekte für die Stadt finden. In den vergangenen Wochen ist klar geworden, welchen Themen wichtig sind: wirtschaftlicher Wachstum, gute Jobs, damit die Bürger eine Perspektive haben und gutes Geld verdienen. Auch um die die Themen Prävention, Sicherheit und sozialer Zusammenhalt müssen wir uns kümmern und - mit einer breiten bürgerlichen Mehrheit alle Themen voranbringen.

Bei vielen Themen können Sie als Oberbürgermeister wenig ausrichten.

Ursu Ja, aber es geht um die Rahmenbedingungen. Der Stadtrat hat gerade die Gewerbesteuersenkung beschlossen. Das ist ein Zeichen an die Wirtschaft. Zudem unterstütze ich das Vorhaben mehrerer ortsansässiger Unternehmen, Görlitz zu einer Modellstadt für Klimaneutralität zu machen. Dabei sollen moderne Technologien zur Energieeinsparung und Digitalisierung zum Einsatz kommen. Der Projekttitel „Europastadt Görlitz/Zgorzelec 2030 – Stadt der Zukunft“ steht für das Leben und Arbeiten der Zukunft und für eine Weiterentwicklung der Europastadt als Stadt der Zukunftstechnologien.

Was verbirgt sich hinter der Stadt der Zukunft?

Ursu Bei den Themen Energieversorgung, Speichertechnologie und Digitalisierung wollen wir neue Wege gehen – mit ganz unterschiedlichen Partnern. Siemens will in Görlitz die Wasserstoff-Sparte ansiedeln. Die Stadtwerke Görlitz AG sind schon in Gesprächen darüber, wie eine Versorgung mit klimafreundlicherem Gas umgesetzt werden kann. Auch wird die Anschaffung von Bussen mit Brennstoffzellen-Technologie bei den Görlitzer Verkehrsbetrieben geprüft. So könnte ein Testfeld für Technologien zur CO2-Reduktion entstehen, von viele profitieren und das Görlitz als Wohn- und Arbeitsort attraktiver machen könnte.

Welche Themen gilt es zuerst in Angriff zu nehmen?

Ursu Es dauert ein bisschen, bis wir loslegen können. Anfang August ist die Amtsübernahme. Im September werden wir die ersten Themen mit dem neuen Stadtrat setzen. Der Zettel ist voll: Es geht um mehr Bürgerbeteiligung, zum Beispiel über eine Ehrenamtsplattform, die Zusammenarbeit mit unserer polnischen Nachbarstadt Zgorzelec. Wir wollen einen Präventionsrat mit Schulen und der Polizei gründen.

Immer wieder thematisieren die Görlitzer die Sicherheit in der Stadt, vor allem die Grenzkriminalität. Ihre Pläne?

Ursu Das Thema ist sehr komplex – Diebstähle, Drogenprävention, Alkohol. Aber das neue Polizeigesetz auf Landesebene würde uns als Kommune die Möglichkeit geben, manche Dinge umzusetzen, wie zum Beispiel das Alkoholverbot auf bestimmten öffentlichen Plätzen. Darüber hinaus passiert derzeit schon viel. Die Landes- und Bundespolizei machen ganz regelmäßig Stichkontrollen. Ende Juli beginnt die Videoüberwachung in der Görlitzer Altstadt. Mit dem Pilotprojekt sollen grenzüberschreitend handelnde Straftäter abgeschreckt und ihre Taten schneller aufgeklärt werden.

Wie stellen Sie sich die Arbeit im künftigen Stadtrat mit seinen sieben Fraktionen vor?

Ursu Als Oberbürgermeister muss und werde ich mit allen sprechen. Ich muss der Oberbürgermeister für alle Görlitzer sein – und will das auch. Ich werde auch auf diejenigen zugehen, die mich nicht gewählt haben. Es geht um Vertrauen.

Sieben Jahre haben Sie nun voraussichtlich Zeit, ihre Projekte umzusetzen. Wo sehen Sie Görlitz am Ende ihrer Amtszeit?

Ursu Görlitz ist dann eine Stadt mit mehr Menschen als heute, in der es gut bezahlte und sichere Job gibt, wo mehr junge Menschen leben als heute, in dem das durchschnittliche Einkommen gestiegen ist und mehr Sicherheit herrscht als heute. Wenn das so kommt, war das eine gute Zeit.

 Mit 55 Prozent neuer OB der Filmstadt Görliwood: Octavian Ursu wurde 1967 im rumänischen Bukarest geboren. Nach seinem Studium an der Nationalen Musikuniverstität in Bukarest kam er 1990 nach Görlitz, wo er am Theater eine Stelle als Solo-Trompeter bekam. 2009 trat er in die CDU ein, im Jahr darauf übernahm er den Vorsitz der Görlitzer CDU, später wurde er Kreischef. Seit 2014 sitzt Ursu im Sächsischen Landtag.
Mit 55 Prozent neuer OB der Filmstadt Görliwood: Octavian Ursu wurde 1967 im rumänischen Bukarest geboren. Nach seinem Studium an der Nationalen Musikuniverstität in Bukarest kam er 1990 nach Görlitz, wo er am Theater eine Stelle als Solo-Trompeter bekam. 2009 trat er in die CDU ein, im Jahr darauf übernahm er den Vorsitz der Görlitzer CDU, später wurde er Kreischef. Seit 2014 sitzt Ursu im Sächsischen Landtag. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert