| 03:07 Uhr

"Ich habe zum ersten Mal ein richtig gutes Gefühl"

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke beim RUNDSCHAU-Interview in der Potsdamer Staatskanzlei.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke beim RUNDSCHAU-Interview in der Potsdamer Staatskanzlei. FOTO: Siegel
Der künftige Hauptstadtflughafen in Schönefeld ist das wichtigste Infrastrukturprojekt Ostdeutschlands und hat auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in seiner Amtszeit bereits viel Kopfzerbrechen bereitet. Jetzt sieht er keinen ernsthaften Grund mehr, an der Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 noch zu zweifeln.

Herr Ministerpräsident, Sie haben sich vor einigen Tagen mit BER-Chef Karsten Mühlenfeld getroffen. Wie läuft‘s auf Deutschlands berühmtester Dauerbaustelle?
Es war ein langes, sehr offenes und wirklich konstruktives Gespräch, nicht nur mit Karsten Mühlenfeld, sondern mit dem gesamten BER-Führungsteam. Mein Eindruck ist: Viele Dinge am BER laufen jetzt in den richtigen Bahnen.

Ah, ja? Welche Dinge meinen Sie dabei konkret?
Da wächst eine richtig gute Mannschaft zusammen. Karsten Mühlenfeld hat es geschafft, innerhalb der Gesellschaft neues Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung aufzubauen. Das war in der Vergangenheit ein Problem. Und er hat es auch geschafft, dass die drei Gesellschafter dem BER-Team wieder mehr vertrauen. Und das ist wichtig. Am Ende sind wir Politiker: der Bundesverkehrsminister, der Regierende Bürgermeister und der Brandenburger Ministerpräsident auch beim BER angewiesen auf die Zustimmung aus den Parlamenten. Und die wollen nicht jede Woche neue, spektakuläre Ideen hören, sondern solide, zielführende Arbeit sehen.

Vertrauen ist wichtig, aber am Ende zählen die konkreten Ergebnisse. Bleibt es beim anvisierten Zeitplan?
Ich habe zum ersten Mal, seitdem ich Ministerpräsident bin, im Zusammenhang mit dem BER ein richtig gutes Gefühl. Mühlenfelds Mannschaft ist in der Lage, auch Tretminen und Fußangeln, die uns immer noch überraschen können, professionell aus dem Weg zu räumen.

Der BER wird also im zweiten Halbjahr 2017 eröffnet?
Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln. Bisher konnte die neue BER-Mannschaft alle Meilensteintermine einhalten. Im Frühjahr 2016 wollen wir baulich fertig sein, sodass dann die Tests zur Inbetriebnahme anlaufen können.

Und das Geld reicht? Oder müssen die Bürger auf diesem Feld noch mit Überraschungen rechnen?

Der zuletzt bewilligte Nachtrag von 1,1 Milliarden Euro sichert das Fertigbauen. Brandenburg muss davon 409 Millionen Euro bereitstellen, wir wollen dazu ein derzeit äußerst zinsgünstiges Sondervermögen bilden. Aber um es deutlich zu sagen: Das ist Geld, das wir mittel- und langfristig vom Flughafen wieder zurückhaben wollen, wenn er Geld verdient.

Nach wie vor ist der Posten des Aufsichtsratschefs mit dem Brandenburger Flughafen-Koordinator Rainer Bretschneider nur kommissarisch besetzt. Wann wird ein neuer Vorsitzender ordentlich gewählt?
Berlin hat das Vorschlagsrecht. Wir sind bereit, über Personalfragen zu reden. Aber das ist wirklich nicht die wichtigste Frage. Der Aufsichtsrat mit seinen Gremien ist voll arbeitsfähig, und die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung läuft sehr gut, bestätigte mir auch Karsten Mühlenfeld.

Sie selbst halten ja Sicherheitsabstand, was BER-Posten betrifft. Soll das so bleiben?
Ich wäre bereit, mit dem Bundesverkehrsminister und dem Regierenden Bürgermeister eine Eigentümerversammlung zu bilden. Aber wir arbeiten auch jetzt schon ohne so ein formales Gremium sehr eng zusammen, wenn es um wichtige Entscheidungen rund um den BER geht.

Bald beginnt die Sanierung der alten Start- und Landebahn in Schönefeld. Dann heben die Flieger auf der neuen Bahn ab. Befürchten Sie Fluglärmärger?
Die Sanierung jetzt spart Geld und ist wichtig, damit wir zwei moderne Bahnen haben, wenn der BER 2017 an den Start geht. Hinzu kommt: Auf der alten Bahn können Flugzeuge bisher ohne Nachtflugpause rund um die Uhr starten und landen. Auf der neuen Südbahn gilt schon jetzt wie am BER mindestens fünf Stunden Nachtruhe.

Mit Dietmar Woidke

sprach Jan Siegel