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| 18:54 Uhr

Landtag Dresden
Hitzige Schuldebatte im Landtag – Streit um Gemeinschaftsschule

Dresden. Sachsen hat mehr Lehrerstellen geschaffen und die Lehrerausbildung forciert. Die Regierung nimmt nun die Qualität an den Schulen in den Blick – die Opposition aber will die Struktur reformieren.

Lehrermangel und Unterrichtsausfall: In einer Landtagsdebatte um neue Wege in der Bildung haben sich die Fraktionen in Sachsen am Mittwoch über das Thema Gemeinschaftsschule gestritten. Auch die Koalitionspartner SPD und CDU sind da unterschiedlicher Meinung. SPD-Bildungsexpertin Sabine Friedel sprach sich im Zusammenhang mit jahrgangsübergreifendem Unterricht für diesen Schultyp aus, um die kleinen Grundschulen im ländlichen Raum am Leben zu erhalten oder neu zu etablieren.

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) erteilte dem im Landtag eine klare Absage. Was Sachsen brauche, sei Kontinuität im Schulsystem und keine Experimente „je nach Legislatur“. Nach Ansicht der SPD-Politikerin ist die Gemeinschaftsschule dagegen ressourcenmäßig die effizienteste Schulform und ein Modell vor allem für ländliche Regionen, betonte die SPD-Politikerin.

Laut Friedel geht es auch um inhaltliche Veränderungen, die Qualität des Unterrichts, das Klima an Schulen und gut ausgebildete Lehrer. „Wir müssen Vielfalt und Heterogenität zum Motor machen.“ Die Gemeinschaftsschule biete die Möglichkeit, die Ziele der schwarz-roten Regierung, wie ein dichteres Schulnetz außerhalb der Städte, zu erreichen. „Das kann man doch mal ausprobieren, wenn es woanders geht.“

Linke-Bildungsexpertin Cornelia Falken verwies darauf, dass zwei Drittel der Bevölkerung die Gemeinschaftsschule befürworteten, unter den 18- bis 28-Jährigen sogar mehr als drei Viertel. Sie sei in allen europäischen Ländern und auch anderen Bundesländern etabliert. „Es wäre auch eine klare Stärkung der Demokratie in Sachsen, wenn Schulen vor Ort und die Schulträger entscheiden können, ob sie sie einführen wollen.“

Ab Samstag will ein breites Bündnis Unterschriften für den Volksantrag zur Einführung der Gemeinschaftsschule sammeln. Danach sollen das Schul- und das Gesetz über Schulen in freier Trägerschaft im Freistaat um die neue Schulart ergänzt werden. Ziel ist das gemeinsame Lernen von der ersten bis zur zwölften Klasse. Auch die Grünen unterstützen den Vorstoß für gemeinsames längeres Lernen. „Unsere Wählerschaft wünscht sich eine solche Möglichkeit im sächsischen Schulsystem“, sagte deren Abgeordnete Petra Zais.

Kultusminister Piwarz verwies auf den großen Erfolg von Sachsens Bildungssystem. Die Abhilfe bei Lehrermangel und Unterrichtsausfall sei angeschoben, nun brauche es eine intensive Diskussion darüber, „wie das Bildungsland Sachsen 2030 aussieht“.

(dpa)