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| 01:28 Uhr

Hitlers Kunstschatz im Dresdner Schloss

Dresden. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sind jetzt geheimnisvollen Bildern aus dem Kunstschatz Adolf Hitlers auf der Spur. 1400 Werke müssen auf ihre Herkunft hin untersucht und eventuell an frühere Besitzer zurückgegeben werden. Von Sven Heitkamp

Der Diktator hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in Linz ein “Führermuseum“ der Kunst aufbauen wollen. Dresden war Sitz für den “Sonderauftrag Linz“. Dessen Geschichte beginnt mit Hans Posse. Der Kunsthistoriker wird 1910 zum Direktor der Staatlichen Gemäldegalerien Dresden berufen. 1939 macht ihn Adolf Hitler persönlich zum Sonderbeauftragten für den Aufbau seiner Kunstsammlung. Sie ist für das geplante “Führermuseum„ in Linz vorgesehen.

Aktiv in ganz Europa

Posse reist durch Europa und trägt Bilder zusammen - durch legale Ankäufe auf dem europäischen Markt, aber auch durch Eingriffe in die umfangreichen beschlagnahmten Sammlungen aus jüdischem Besitz. Als Posse 1942 an Krebs stirbt, setzt der Wiesbadener Galeriedirektor Hermann Voss den nationalsozialistischen Kunstraub fort.

Im Verlauf des “Sonderauftrags Linz„ landet ein Konvolut von mehr als 1400 Werken - etwa 1000 Druckgrafiken, 400 Zeichnungen und Aquarelle sowie elf Bücher - in Dresden. Sie lagern seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Kupferstichkabinett, das jetzt im Residenzschloss untergebracht ist. Die Palette der Werke reicht vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert, sie stammen zumeist von holländischen, französischen und deutschen Künstlern. Doch die Herkunft und die Besitzverhältnisse der Arbeiten sind bis heute teilweise fraglich, schließlich war ein nicht unerheblicher Teil der Kunstwerke jüdischem Eigentum unrechtmäßig entrissen worden.

Seit Juni durchforstet ein spezielles, vom Bund gefördertes Forschungsprojekt der Staatlichen Museen Berlin in ganz Deutschland den “Linz-Bestand“. Es gilt, die Geschichte der Werke vom Künstler bis zum aktuellen Besitzer lückenlos nachzuweisen. In Dresden ist mit der Arbeit vor allem Professor Gilbert Lupfer betraut, der die Provenienzforschung der Staatlichen Kunstsammlungen betreibt.

Formal in Bundesbesitz

“Wir prüfen jetzt, ob es Anspruchsberechtigte gibt“, sagt Lupfer. Sollte sich bestätigen, dass zu dem Konvolut Werke gehören, die unrechtmäßig jüdischen Eigentümern abgepresst oder geraubt wurden, werde versucht, die Nachfahren für eine Restitution ausfindig zu machen. Formal gehören die Kunstschätze bisher dem Bund. Wenn sich herausstellt, dass Werke in der NS-Zeit legal beschafft wurden, können die Dresdner Kunstsammlungen beantragen, dass sie in ihren Besitz übergehen.

Die Recherche nach den Besitzverhältnissen stehe aber noch am Anfang, sagt Lupfer. “Es ist schon ein Rätsel, warum die Grafiken und Zeichnungen überhaupt nach Dresden gekommen sind.“ svh1