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| 01:28 Uhr

Herrnhuter Sterne in Wladiwostok und Mali

Mitarbeiterin Kathrin Schröter präsentiert in der Schauwerkstatt der Herrnhuter Sterne GmbH an der Decke hängende Sterne. Foto: ddp
Mitarbeiterin Kathrin Schröter präsentiert in der Schauwerkstatt der Herrnhuter Sterne GmbH an der Decke hängende Sterne. Foto: ddp FOTO: ddp
Rund 20 000 Besucher interessieren sich jährlich für die Geschichte des Herrnhuter Sterns, der längst über die Grenzen Sachsens hinaus bekannt ist. „Selbst in einer Kirche im russischen Wladiwostok am Pazifik sowie in einem Dorf im westafrikanischen Mali hängen Herrnhuter Sterne“, sagt Geschäftsführer Oskar Scholz. Von Nils-Eric Schumann

Die weihnachtliche Stimmung in der Schauwerkstatt der Herrnhuter Sterne GmbH in der Oberlausitz wird nur durch den Leimgeruch getrübt. Papiersterne in verschiedenen Größen hängen in dem kleinen Haus am Eingang der Manufaktur. Das ganze Jahr über falzen, stanzen und kleben Mitarbeiterinnen mit geübten Handgriffen die Spitzen für die Sterne. Der kleine Handwerksbetrieb mit 62 Beschäftigten gehört zur Evangelischen Brüder-Unität, arbeitet aber wirtschaftlich selbstständig. 160 Jahre alte FormDer Original Herrnhuter Stern ist nach Angaben der Manufaktur der älteste deutsche Weihnachtsstern und wurde anfänglich mit Rüböllampen beleuchtet. Schon seit mehr als 160 Jahren werden die Sterne aus Herrnhut in unveränderter Form hergestellt. Erste Skizzen mit der Geometrie der Sternstrahlen stammten sogar aus dem Jahr 1773, sagt Scholz. Allerdings sei aus dieser Zeit nicht nachgewiesen, ob auch tatsächlich ein Stern zusammengebaut wurde. Der erste Nachweis stammt aus dem Jahr 1821. Jeder originale Herrnhuter Stern besteht seither stets aus 25 Zacken - 17 viereckigen und acht dreieckigen. Der recht aufwendige Zusammenbau sei in vielen Familien der Region eine jährliche Tradition, sagt Scholz, wo alle Generationen zusammenkämen und vorm Weihnachtsfest innehielten. Bei den Sternen aus Herrnhut dominieren die Farben gelb, rot und weiß/rot. Inzwischen bietet die Manufaktur auch Kunststoffsterne fürs Aufhängen im Freien sowie kleine Sterne für Lichterketten an. In der DDR gehörten die Sterne zur klassischen Bückware, die nur unter dem Ladentisch verkauft wurde. Ein Großteil der Produktion ging über den zentralen Außenhandel der DDR in den Export nach Westdeutschland sowie Finnland. Von 1950 bis 1968 war die Sternenherstellung verstaatlicht, der volkseigene Betrieb firmierte unter dem Namen Oberlausitzer Stern- und Lampenschirmfabrik. Weil die Produktion der Adventssterne - die den Stern von Bethlehem aus der biblischen Geschichte symbolisieren - offenbar nicht in die Produktionspalette eines sozialistischen Betriebs passten, wurde die zuvor enteignete Sternherstellung nach 18 Jahren schließlich wieder an die Brüder-Unität zurückgegeben. Allerdings blieben staatliche Planvorgaben erhalten - Material wurde zugeteilt, die Zahl der Mitarbeiter und die Zah der zu produzierenden Sterne vorgegeben. Inzwischen stellt die Herrnhuter Manufaktur jährlich etwa 240 000 Sterne her, sagt Scholz. Nachahmer der geschützten Form aus der Oberlausitz gebe es nicht, wohl aber Konkurrenten. Weitere drei BetriebeSo werden in Sachsen noch in mindestens drei Betrieben im Erzgebirge Adventssterne hergestellt. Neben dem Annaberger Faltstern gibt es noch den Original Hartensteiner und den Original Haßlauer Stern, bestätigt der Tourismusverband Erzgebirge. Der Hartensteiner Stern besteht aus etwa 154 Einzelteilen bei der Herstellung, auf einen festen Körper müssen die Besitzer allerdings nach dem Kauf nur noch zwölf Spitzen aufstecken. Der Original Hartensteiner Stern wurde 1948 von der Buchbinderei Härtel erstmals auf der Leipziger Messe präsentiert, sagte Beate Heyn. Sie stellt die Sterne heute im elterlichen Betrieb mit einer Mitarbeiterin zusammen her. Erst 1985 entstand im nur 15 Kilometer entfernten Wilkau-Haßlau der Haßlauer Stern. Elektriker Matthias Wild reagierte seinerzeit auf die große Nachfrage, die damals nicht gedeckt werden konnte. Die Annaberger Falt sterne und die Erzgebirgischen Fenstersterne fertigt die Buchbinderei Kraft in Annaberg-Buchholz - wie die übrigen Sterne - in Handarbeit.