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| 02:33 Uhr

Hase und Igel-Spiel um Kräutermischungen

In den Laboren der Landeskriminalämter werden die Kräutermischungen untersucht – es kommen aber dauernd neue auf den Markt.
In den Laboren der Landeskriminalämter werden die Kräutermischungen untersucht – es kommen aber dauernd neue auf den Markt. FOTO: dpa
Dresden/Berlin. Legal Highs heißen die legalen, aber gefährlichen Designerdrogen, die in der Lausitz immer mehr Nutzer finden. Als Kräutermischungen, Badesalze oder Lufterfrischer werden sie über das Internet gehandelt – ein Verbot ist schwierig durchzusetzen. dpa/bob

Wer glaubt, Legal Highs seien ungefährlich, wird beim Blick in die Meldungen der Polizei rasch eines Besseren belehrt.

Am vergangenen Donnerstag meldete die Polizei in Trier einen 25-Jährigen, der nach dem Konsum einer Kräutermischung gestorben ist. Am gleichen Tag gab es eine Meldung aus Baden-Württemberg: "Im Verlauf der letzten Woche kamen sechs Menschen ins Krankenhaus, nachdem sie die Kräutermischung konsumiert hatten", berichtet eine Polizeisprecherin in Konstanz. Sie könne zu einer Vergiftung mit Krampfanfällen, Bewusstlosigkeit und komatösen Zuständen führen. Eine 48-Jährige in Biberach sei daran gestorben.

Die Gefahr ist lange bekannt. Drogenberater und Polizei warnen seit Jahren. Ein Verbot der bunten Tütchen gestaltet sich dennoch schwierig. Die Hersteller würden sich mit den Sicherheitsbehörden ein "Hase und Igel-Spiel" liefern, erklärt Tom Bernhardt vom Landeskriminalamt Sachsen. Auf Änderungen des Betäubungsmittelgesetzes werde umgehend reagiert. Werde der Handel mit einer analysierten chemischen Substanz strafbar, würde das Produkt vom Markt genommen und durch eine abgewandelte Substanz ersetzt. "Diese Vorgehensweise dauert unvermindert an", so die Einschätzung Bernhardts.

Erfolge kann die Polizei nur dann vorweisen, wenn sie einem Händler direkt auf die Schliche kommt. Anfang Dezember war das beispielsweise in Schleswig-Holstein der Fall. Der Kriminalpolizei in Elmshorn gelang ein Schlag gegen den illegalen Handel, als bei einer Hausdurchsuchung vier Kilo einer speziellen Kräutermischungen sowie weitere Beweismittel sichergestellt werden konnten. Ausgangspunkt war ein Vorfall an einer Schule, an der mehrere Schüler nach dem Konsum der Tütchen mit schweren Ausfallerscheinungen ärztlich versorgt werden mussten.

Im Zuge der Ermittlungen stieß die Polizei auf weitere Hinweise. Demnach hatten die beiden in Elmshorn verhafteten Verdächtigen einen deutschlandweiten Internethandel mit den Substanzen betrieben.

Auch in Sachsen hat es in den vergangenen Monaten Festnahmen gegeben. "Im Regelfall werden beim Konsumenten Eigenbedarfsmengen bis 20 Gramm sichergestellt", so LKA-Sprecher Bernhardt. Bei einzelnen Händlern seien Mengen bis in den zweistelligen Kilogrammbereich gefunden worden.