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| 07:26 Uhr

Nach Festnahmen im Raum Chemnitz
Vier mutmaßliche rechte Terroristen in Haft

Mutmaßliche Rechtsterroristen: Das Foto zeigt, wie Polizisten Verdächtige am Montag, 1. Oktober 2018, am Bundesgerichtshof in Karlsruhe abführen.
Mutmaßliche Rechtsterroristen: Das Foto zeigt, wie Polizisten Verdächtige am Montag, 1. Oktober 2018, am Bundesgerichtshof in Karlsruhe abführen. FOTO: dpa / Christoph Schmidt
Chemnitz/Berlin. Am Dienstag werden weitere vier mutmaßliche rechtsextreme Terroristen dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt. Vier sitzen bereits in Untersuchungshaft. Sie sollen laut den Ermittlern einen Terrorakt am 3. Oktober geplant haben.

Nach der Enttarnung einer Gruppe von mutmaßlichen Rechtsterroristen in Sachsen werden vier von ihnen am Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt. Bei drei anderen war dies bereits am Montag der Fall, für sie wurde Untersuchungshaft angeordnet. Ein achter Mann, der mutmaßliche Anführer Christian K., saß bereits in Untersuchungshaft.

Der Generalbundesanwalt hatte am Montag sieben Männer festnehmen lassen, die eine rechtsterroristische Vereinigung gegründet haben sollen. Die Gruppe namens „Revolution Chemnitz“ habe am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, zur Tat schreiten wollen, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Die Mitglieder sollen einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge bewaffnete Angriffe auf Ausländer, politisch Andersdenkende und Journalisten ins Auge gefasst haben. Die Männer wollten demnach mit Gewalt gegen den Rechtsstaat kämpfen und hatten sich auch um halbautomatische Schusswaffen bemüht.

Ermittler: Beschuldige gehören zur Szene im Raum Chemnitz

Nach bisherigen Erkenntnissen gehören die Beschuldigten der Hooligan-, Skinhead- und Neonazi-Szene im Raum Chemnitz an und sollen sich als führende Personen in der rechtsextremistischen Szene Sachsens verstanden haben. Die Gruppe soll sich spätestens am 11. September formiert haben und damit kurz nach fremdenfeindlichen Übergriffen und Protesten in Chemnitz.

Auslöser dafür war der gewaltsame Tod eines 35-jährigen Deutschen am Rande eines Stadtfestes Ende August. Tatverdächtig im Fall des 35-Jährigen sind Männer, die als Asylbewerber nach Deutschland gekommen waren.

Am 14. September hatte es in Chemnitz einen Angriff auf Ausländer gegeben. Der Generalbundesanwalt stuft ihn nun als Probelauf für die Pläne der Gruppe „Revolution Chemnitz“ am Einheitstag ein. 15 Verdächtige, die sich Zeugenaussagen zufolge als Bürgerwehr bezeichneten, hatten damals nach einer Kundgebung der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz Iraner und Pakistaner angegriffen. Daran beteiligten sich den Ermittlungen zufolge mehrere jetzt Beschuldigte.

Süddeutsche Zeitung: Gruppe wollte „mehr Terror“ als NSU verbreiten

Dem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge wollte „Revolution Chemnitz“ mehr Terror verbreiten als der Nationalsozialistische Untergrund (NSU). Bei der Durchsuchung von Wohnungen wurden demnach Schlagstöcke, aber keine Schusswaffen gefunden. Die NSU-Terrorzelle aus Sachsen hatte neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft getötet sowie eine Polizistin ermordet.

Im März 2018 waren in Sachsen acht Mitglieder der Vereinigung „Gruppe Freital“ unter anderem wegen Bildung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und versuchten Mordes zu Haftstrafen zwischen vier und zehn Jahren verurteilt worden. Die Gruppe hatte 2015 fünf Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und politische Gegner in Freital und Dresden verübt. Zwei Mitglieder der rechtsextremen Terrorgruppe „Oldschool Society“ wurden vor dem Oberlandesgericht Dresden angeklagt.

(dpa/oht)