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Grünes Licht für neuen Tagebau in Sachsen

Blick aus der Vogelperspektive in den Tagebau Nochten (Landkreis Görlitz), der das Kraftwerk Boxberg versorgt und nun erweitert werden darf.
Blick aus der Vogelperspektive in den Tagebau Nochten (Landkreis Görlitz), der das Kraftwerk Boxberg versorgt und nun erweitert werden darf. FOTO: Joachim Rehle/jor1
Dresden/Schleife. Das sächsische Innenministerium hat am Mittwoch den Braunkohlenplan für das Tagebaufeld Nochten II bestätigt. Damit ist die Kohleversorgung des Kraftwerkes Boxberg ab 2025 gesichert. 1700 Menschen werden umgesie delt. Gabi Nitsche und Simone Wendler

Das Aktionsbündnis "Strukturwandel jetzt", in dem sich Tagebaugegner sammeln, kündigte umgehend Klage gegen die Entscheidung an. Auch würden Umweltverbände und Bürger unterstützt, die vor Gericht ziehen. Ein Bündnissprecher bezeichnete die Entscheidung des Ministeriums als "energiepolitisches Armutszeugnis".

Der Tagebaubetreiber Vattenfall begrüßte dagegen die Entscheidung. Damit werde die Voraussetzung geschaffen, dass die Braunkohleverstromung die Energiewende weiter begleiten könne, so Vattenfall-Vorstandschef Hartmuth Zeiß.

Bei Betroffenen, die in den Gemeinden Trebendorf und Schleife leben, hat die Bestätigung des neuen Tagebaus dagegen auch Trauer und Entsetzen ausgelöst. Ingo Schuster und dessen Familie im Schleifer Ortsteil Rohne gehören dazu. "Es ist das Todesurteil für die Dörfer im Kirchspiel Schleife und für mich persönlich das Aus für alles, was ich mir aufgebaut habe", sagte Schuster. Er gehört dem Ortschaftsrat Rohne und dem Schleifer Gemeinderat an und ist öffentlich gegen eine Erweiterung des bestehenden Tagebaus und eine damit verbundene Umsiedlung aufgetreten.

Mit der Genehmigung des Braunkohleplanes für Nochten II sind verschiedene Maßgaben verbunden, wie die betroffenen umzusiedelnden Dörfer einzeln zu benennen. Wenn der Regionale Planungsverband dem folgt, tritt der Braunkohlenplan in Kraft.

Parallel zum sechsjährigen Planverfahren haben die Gemeinden Trebendorf und Schleife bereits mit dem Bergbaubetreiber Vattenfall Verträge für eine sozialverträgliche Umsiedlung verhandelt. Dazu gehört auch der Umsiedlungszeitraum von April 2015 bis Ende 2018.

In Brandenburg steht ein weiterer neuer Lausitzer Tagebau kurz vor der Genehmigung. Im April soll der Braunkohlenausschuss abschließend über den Plan für den Tagebau Welzow-Süd II beraten. Gibt es dort Zustimmung, könnte die Landesregierung noch vor der Sommerpause den Plan bestätigen.