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Großes Kino aus der Oberlausitz

Milan Peschel spielt eine der Hauptfiguren.
Milan Peschel spielt eine der Hauptfiguren. FOTO: Wehnert
Görlitz.. Hollywood-Regisseur Robert Schwentke dreht in der Oberlausitz. Vor der Kamera stehen Max Hubacher und Milan Peschel. Insgesamt noch zehn Filme sollen in diesem Jahr in Görlitz und und der Oberlausitz gedreht werden. Michèle-Cathrin Zeidler und dpa

Und "Action": Es sind die letzten Tage des Dritten Reichs. Das Ende des zweiten Weltkrieges ist abzusehen. Die Infanterie hat Kontrollpunkte in den Straßen eines Dorfes in der Oberlausitz aufgebaut und sichert sie mit Stacheldraht und Maschinengewehren. Soldaten in Uniform patrouillieren im Nieselregen auf und ab. Manchen klebt Filmblut im Gesicht, allen jede Menge Schlamm an den Hosen und Stiefeln.

Drehtage in "Görliwood". In Görlitz und in der unmittelbaren Umgebung in der Oberlausitz ist wieder das Filmfieber ausgebrochen. Regisseur Robert Schwentke dreht aktuell für "Der Hauptmann", eine abgründige Köpenickiade aus dem Jahr 1945.

Und es soll nicht der einzige Dreh in diesem Jahr in und um Görlitz bleiben. Die Grenzstadt wird bei Filmemachern ist bei Filmemachern nach wie vor sehr gefragt.

Dort standen schon Stars wie Emma Thompson, Brendan Gleeson und Kate Winslet vor der Kamera.

"In Görlitz sollen in diesem Jahr zehn internationale Kinofilme gedreht werden", sagt Oberbürgermeister Siegfried Deinege (parteilos). Das Stadtoberhaupt war Gast bei der Görlitz-Premiere des Films "Der junge Marx" am vergangenen Wochenende. Auch große Teile dieses Streifens wurden an der Neiße gedreht.
Einzelheiten zu den geplanten Filmprojekten wollte Deinege noch nicht nennen - mit einer Ausnahme: Bereits Anfang März beginnen demnach die Dreharbeiten für eine Neuverfilmung von "Der Zauberlehrling". Als Kulisse für den Märchenfilm dienen dann die Altstadt und das Görlitzer Rathaus. Deinege ist stolz. Görlitz habe sich als Dienstleister für die Filmbranche entwickelt und werde den Bereich weiter ausbauen.

Während sich Görlitz dann in eine eine Märchenkulisse verwandelt, sind es in diesen Tagen frostige und düstere Szenen, die in der Oberlausitz gedreht werde. Gerade entsteht der Kriegsfilm "Der Hauptmann". Hollywood-Regisseur Robert Schwentke führt dabei nicht nur Regie. Auch das Drehbuch stammt aus seiner Feder. Der 48-Jährige, der in Stuttgart geboren wurde, drehte bereits Hollywood-Blockbuster. So hat er für den Thriller "Flightplan" mit Jodie Foster zusammengearbeitet und inszenierte auch die Actionkomödie "Red" mit Bruce Willis, John Malkovich und Morgan Freeman.

Für seine Inszenierung in der Oberlausitz schlüpft Max Hubacher in die Rolle von Willi Herold. Der Gefreite wird als Fahnenflüchtiger von einer Gruppe betrunkener Hauptmänner gejagt. Der 19-Jährige hetzt durchs Gehölz. Verzweifelt, am Ende. Wie durch ein Wunder entgeht Herold seinen Jägern und irrt nun - verfolgt von Bauern, die er bestiehlt, um zu überleben und der eigenen Truppe, die ihn für einen Deserteur hält - durch die Einöde des Emslandes.

Durchnässt, verschlissen und halb verhungert und kurz vor dem Erfrierungstod, macht Herold einen folgenschweren Fund: Eine mit Orden behangene Hauptmanns Uniform der Luftwaffe.
Der "Hauptmann von Köpenick" lässt grüßen. Herold zögert nicht lange und tauscht seine einfache, völlig zerschlissene Uniform gegen die nagelneue eines Hauptmanns. Die Verkleidung als falscher Hauptmann verschafft ihm umgehend Befehlsgewalt. Versprengte Soldaten schließen sich ihm an, die "Kampftruppe Herold" für "Sonderaufgaben" formiert sich rasend schnell. Marodierend ziehen sie von nun an durch das sich auflösende Nazideutschland und nehmen sich, was sie wollen. Wie der Film ausgeht, wollen die Macher noch nicht preisgeben.

Um die Besetzung war im Vorfeld der Dreharbeiten ein großes Geheimnis gemacht worden. Inzwischen steht fest: Max Hubacher bekommt Unterstützung von Milan Peschel. Dieser stand gerade noch als kauziger Präriejäger Sam Hawkins in der dreiteiligen "Winnetou"-Neuauflage vor der Kamera.

Die Macher haben ein ehrgeiziges Ziel für ihren Hauptmann. Der Streifen soll bereits im kommenden Jahr in die Kinos kommen. Vielleicht findet die Premiere sogar bei der Berlinale statt. Doch bis dahin muss der "falsche" Hauptmann in der Oberlausitz noch einige Abenteuer bestehen.