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Kernkompetenzen in Neißestadt zu halten
Görlitz will nicht degradiert werden

Waggonhersteller Bombardier in Görlitz.
Waggonhersteller Bombardier in Görlitz. FOTO: Oliver Killig / dpa
Görlitz. Die Stadt kämpft um die Großunternehmen Siemens und Bombardier – und mit ihnen.

(dpa/bl) Görlitz will von den beiden dort ansässigen Großbetrieben Bombardier und Siemens nicht zu deren verlängerter Werkbank degradiert werden. Vielmehr gehe es darum, die Kernkompetenzen der Unternehmen in der Neißestadt zu erhalten, sagte Oberbürgermeister Siegfried Deinege (parteilos) am Dienstag. Die Mutterkonzerne hatten einschneidende Veränderungen angekündigt, selbst die Schließung stand schon im Raum.

Deinege sieht Anzeichen dafür, dass Siemens-Manager Willi Meixner einseitig ein „Industriezentrum Oberlausitz“ verfolgt, das Görlitz nur zur verlängerten Werkbank machen würde. Dies würde aus seiner Sicht den Verkauf von Flächen, eine Umwandlung der Produktion und das Aus für die Dampfturbine bedeuten - diese habe aber einen Markt. Die Aufträge seien da, auch die Margen stimmten. Man müsse nur den Willen besitzen, Konzepte zu entwickeln.

„Verlängerte Werkbank können wir immer“, sagte Deinege. So gebe es schon bis zu 50 Angebote für Ansiedlungen. Darunter seien vier bis fünf, die man ernsthaft prüfen könne. „Aber es muss auch geprüft werden, wie man mit einer so schlagkräftigen Einheit umgeht im Dampfturbinen-Geschäft.“ Das Stadtoberhaupt warnte davor, dass in der verstreichenden Zeit Tatsachen geschaffen werden. Bei Siemens etwa müsse es jemanden geben, der bei Zukunftskonzepten die Waage halte. Görlitz werde das aufmerksam beobachten und entsprechend medienwirksam reagieren.

Auch zu Bombardier äußerte sich Deinege kritisch. Er sei sich mit der IG Metall einig, dass das vorliegende Ergebnis nicht das Ende sein könne. Der Schienenfahrzeughersteller hatte angekündigt, dass Görlitz Kompetenzzentrum für den Rohwagenbau bleiben und künftig auch den Wagenkastenbau für Straßenbahnen übernehmen solle.

Laut IG-Metall sind derzeit inklusive Leiharbeiter noch etwa 1100 Beschäftigte in dem Betrieb. Technologisch gehe das in Richtung Manufaktur, monierte Deinege. Die  Highlights  wie das Punkt- und Laserschweißen, die Görlitz immer ausgezeichnet hätten, würden dagegen abwandern. „Görlitz ist mit dieser Strategie kein Gewinner“, meinte Deinege, der früher selbst Bombardier-Manager in Görlitz war.