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Görlitz blickt auf Via Regia

Die Stadt Görlitz bereitet sich schon jetzt intensiv auf die 2010 geplante 3. Sächsische Landesausstellung zur „Via Regia“ vor. „Ursprünglich war die Beschäftigung mit diesem Thema ein Projekt innerhalb der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas“, so Oberbürgermeister Joachim Paulick (CDU). Nach deren Scheitern sagte die sächsische Landesregierung den Görlitzern rasch zu, sie mit der Ausrichtung der Landesausstellung, deren erste beide Auflagen 1998 im Kloster St. Marienstern sowie 2004 in Torgau stattfanden, zu betrauen. Von Uwe Menschner

Der Oberbürgermeister sieht darin eine "einmalige Chance, nicht nur auf die Stadt Görlitz, sondern auf die gesamte Region aufmerksam zu machen".
Allerdings gibt es innerhalb der Görlitzer Unternehmerschaft, die sich ebenfalls starke Impulse von dem Event erhofft, noch Befürchtungen über ein mögliches Scheitern (die RUNDSCHAU berichtete). Grund dafür ist die Skepsis hinsichtlich der Genehmigung des städtischen Haushaltsplanes durch das Regierungspräsidium Dresden.

Gespanntes Warten auf Bescheid
"Wir haben den Doppelhaushalt für die Jahre 2007 und 2008 am 4. Mai in Dresden eingereicht und warten nunmehr gespannt auf den Bescheid", so Joachim Paulick. Der Haushalt dokumentiere den Sparwillen der Stadt Görlitz, enthalte aber auch die zur Absicherung der Landesausstellung notwendigen Investitionen. In dem Zahlenwerk sind insgesamt 13,2 Millionen Euro für die Sanierung des Kaisertrutz und der städtischen Museen an der Neißstraße, in denen der größte Teil der Ausstellung untergebracht werden soll, eingestellt.
"Die Via Regia (Königsstraße - stand unter dem Schutz des Herrschers) ist die älteste Ost-West-Verbindung durch Mitteleuropa und war für die Entwicklung der gesamten Region äußerst bedeutsam", weiß Oberbürgermeister Joachim Paulick. Zwar stammt die älteste schriftliche Erwähnung erst von 1252, allerdings gilt als sicher, dass der Handelsweg bereits in der Bronzezeit (vor etwa 3500 Jahren) befahren wurde. 1330 erhob die damals schon recht mächtige Stadt Görlitz einen Benutzungszwang, der den Kaufleuten die "Schleichwege" um die Stadtgrenzen herum abschnitt und wesentlich zu ihrem Reichtum beitrug. Auch die Besiedlung Sachsens, so Paulick, erfolgte von Westen entlang der Via Regia. Nicht zuletzt stelle diese auch ein wichtiges Bindeglied zwischen Sachsen und dem benachbarten Schlesien dar - ein Aspekt, der im Rahmen der Landesausstellung beson dere Würdigung erfahren soll.
Mit der inhaltlichen Ausgestaltung beauftragte das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst den Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Prof. Dr. Martin Roth. "Er hat bereits erklärt, dass er die Görlitzer Museen eng in die Planung einbeziehen will", berichtet der Oberbürgermeister.

Park öffnet in Königsbrück
Jedoch soll sich der touristische und wirtschaftliche Nutzen der Via Regia nicht allein auf Görlitz und die Landesausstellung 2010 beschränken. Bereits jetzt gibt es vielfältige Aktivitäten, die vom "Begegnungsraum Via Regia" e. V. gebündelt werden. "Ein wichtiges Beispiel ist der Via-Regia-Park, den die Stadt Königsbrück (Landkreis Kamenz) am ersten Juniwochenende eröffnen will", erklärt die Vereinsvorsitzende Martina Brandt. Dort wird beispielsweise auch eine Modellwerkstatt ihr Domizil finden, die bedeutende Gebäude entlang der Via Regia "en miniature" darstellt. Ein weiteres bedeutsames Projekt ist der internationale Jakobs-Pilgerweg, der über weite Strecken dem Verlauf der Via Regia folgt. Auch der im Schloss Königshain (Niederschlesischer Oberlausitzkreis)) geplante Museumskomplex soll sich inhaltlich eng an das Thema anlehnen.
In der Perspektive, so Martina Brandt, soll entlang der Via Regia ein Themenweg entwickelt werden, der sich in erster Linie mit dem literarischen Erbe der Region beschäftigt. "Dafür bietet sich das Kamenzer Lessingmuseum als Projektpartner an", meint die Vorsitzende. All dies könne auch im Rahmen von Korrespondenzprojekten in die Landesausstellung integriert werden.