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| 03:00 Uhr

Gericht verhängt lebenslange Haft im Fall "Aladin":

Dresden. Ein Bistroinhaber wird erschossen, der Täter flüchtet. Ein Gericht verurteilt einen Mann wegen Beihilfe zum Totschlag, die Entscheidung wird später aufgehoben. Im neuen Verfahren sieht die Kammer klarer. dpa/uf

Wegen Mordes am Besitzer des Bistros "Aladin" in Döbeln (Mittelsachsen) hat das Dresdner Landgericht einen 35-Jährigen zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Die Kammer war überzeugt, dass der Mann das arg- und wehrlose Opfer im November 2011 ohne Vorwarnung mit einer Kugel niederstreckte und noch zweimal auf den am Boden liegenden schoss. "Wenn man es objektiv betrachtet, war es eine Hinrichtung", sagte die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand am Montag. Die Kammer habe "keine vernünftigen" Zweifel, dass der Angeklagte der Schütze gewesen sei. Entlastendes konnte nicht gefunden werden, hieß es. Der Angeklagte hatte jede Beteiligung an der Tat abgestritten und will das Urteil anfechten. In Handschellen protestierte er noch laut im Saal: "Ich bin unschuldig, das Urteil entspricht nicht der Wahrheit."

Es war bereits das zweite Verfahren in der Sache, nachdem das Landgericht Chemnitz den Mann im März 2013 mangels Beweisen zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe zum Totschlag verurteilt hatte. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte die Entscheidung aufgehoben, das Verfahren war Ende Juni am Landgericht Dresden neu aufgerollt worden. Nach 17 Prozesstagen sah es die Kammer angesichts von Zeugenaussagen und Indizien als erwiesen an, dass der wegen Mordes Angeklagte die Waffe in Tschechien besorgte und den zuvor mit einem Freund gefassten Tötungsplan ausführte. Der 41-Jährige, der einen Autohandel mit dem ins Ausland geflüchteten Komplizen betrieb, war nach einem Herzschuss verblutet. "Zum Motiv spekulieren auch wir", sagte Wiegand.

Die Staatsanwaltschaft ging von geschäftlichen und privaten Gründen aus: Streit um den Autohandel und eine Frau. Der Angeklagte bleibt nach Angaben von Wiegand in U-Haft. Der Mann hatte die Urteilsverkündung mehrfach mit Kopfschütteln kommentiert und seinen Verteidigern danach aufgebracht das Mandat entzogen.