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Generalbundesanwalt ermittelt
Mutmaßliche IS-Kämpferin aus Pulsnitz noch im Irak

 Mutmaßliche Kämpferinnen sind in einem Propaganda-Video der Terrormiliz IS zu sehen.
Mutmaßliche Kämpferinnen sind in einem Propaganda-Video der Terrormiliz IS zu sehen. FOTO: Syriadeeply.org/dpa / Syriadeeply.org
Karlsruhe/Pulsnitz. Seit dem Sommer sitzt eine 16-Jährige aus Pulsnitz in einem irakischen Gefängnis. Sie wurde von irakischen Anti-Terror-Einheiten gemeinsam mit weiteren ausländischen IS-Kämpferinnen in einem Tunnelsystem der Stadt Mossul festgesetzt. Seitdem ermittelt der Generalbundesanwalt in Karlsruhe hinsichtlich einer möglichen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Von Frank Hilbert

„Wir ermitteln nach wie vor in dieser Sache“, hieß es auf RUNDSCHAU-Nachfrage von einem Sprecher der Bundesanwaltschaft. Konkret gehe es darum, ob die 16-Jährige Mitglied in einer terroristischen Vereinigung wie dem sogenannten Islamischen Staat (IS) war. „Eine solche Mitgliedschaft ist ein Straftatbestand für den der Gesetzgeber eine Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren vorsieht“, so der Sprecher weiter. Man müsse sehen, ob sich diesbezüglich ein hinreichender Tatverdacht als Basis für eine Anklage ergebe. Sollte dies der Fall sein, so würde ein Verfahren in Deutschland bei Anwesenheit der 16-Jährigen stattfinden.

Die Schülerin aus Pulsnitz war im Sommer 2016 verschwunden, kurz nachdem sie zum Islam konvertiert war. Sie soll über Internet-Chats mit IS-Anhängern in Kontakt gestanden haben. Irakische Sicherheitskräfte hatten bei einem Einsatz in Mossul nach eigenen Angaben 20 Dschihadistinnen festgenommen. Ein Offizier der irakischen Anti-Terror-Einheiten erklärte, die Frauen hätten Waffen und Sprengstoffgürtel in ihrem Besitz gehabt, um die irakischen Truppen anzugreifen. Demnach arbeiteten sie für die Polizei des IS. Unter den Festgenommenen seien auch Frauen aus Russland, der Türkei, Kanada und Tschetschenien gewesen.

Der Fall des 16-jährigen Mädchens treibt die Menschen in Pulsnitz um. Ob und wann sie wieder nach Deutschland kommt, ist momentan noch ungewiss.
Der Fall des 16-jährigen Mädchens treibt die Menschen in Pulsnitz um. Ob und wann sie wieder nach Deutschland kommt, ist momentan noch ungewiss. FOTO: Sebastian Willnow

Nach „Spiegel“-Informationen sitzen seit diesem Sommer in der irakischen Hauptstadt Bagdad vier deutsche Frauen in Haft, die sich in den vergangenen Jahren der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben. Sie seien in den Tagen nach der Befreiung Mossuls gefangen genommen worden. Unter ihnen sei auch die 16-Jährige aus dem sächsischen Pulsnitz.

Die Iraker hatten der deutschen Botschaft in Bagdad eine Liste mit den Namen der Deutschen übermittelt. Danach konnten Diplomaten alle vier Frauen in einem Gefängnis am Flughafen der Hauptstadt besuchen, wie das Magazin berichtete. Ihnen ging es seinerzeit nach einer ersten Einschätzung den Umständen entsprechend gut. Eine der Deutschen habe marokkanische Wurzeln, eine andere stamme offenbar aus Tschetschenien, habe aber einen deutschen Pass.Wie es den Frauen gegenwärtig geht, darüber gibt es keine Erkenntnisse.

In den vergangenen Jahren waren mehr als 930 Islamisten aus Deutschland Richtung Syrien und Irak ausgereist, um sich dort dem IS anzuschließen. 20 Prozent waren nach Angaben des Verfassungsschutzes Frauen, fünf Prozent Minderjährige. Von den Unter-18-Jährigen war die Hälfte weiblich. Inzwischen sind von den ausgereisten Islamisten 145 tot – sie starben etwa bei Kämpfen oder sprengten sich bei Attentaten in die Luft. Mit Propaganda im Internet, die teils gezielt auf junge Frauen zugeschnitten ist, wirbt der IS für eine Einreise in die eroberten Gebiete. (mit dpa)