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| 03:05 Uhr

Gedenken an Tausende namenlose Opfer

Der Historiker Alexander Haritonow im sächsischen Landtag.
Der Historiker Alexander Haritonow im sächsischen Landtag. FOTO: dpa
Dresden. Mit etlichen Veranstaltungen ist am Sonntag in Sachsen der Millionen Opfer des Nationalsozialismus gedacht worden. Landtagspräsident Rößler richtete das Augenmerk besonders auf die Verbrechen an den Kriegsgefangenen. dpa/kr

Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus hat Landtagspräsident Matthias Rößler an das Leid von Millionen Kriegsgefangenen der Wehrmacht erinnert. Katastrophale Bedingungen in den Gefangenenlagern und den Arbeitskommandos an Orten wie Zeithain hätten zehntausendfaches Massensterben verursacht, erläuterte Rößler beim Gedenken im Landtag. Besonders seien sowjetische Soldaten betroffen gewesen, von denen rund drei Millionen in deutscher Gefangenschaft umkamen. "Die Aufarbeitung dieses Teils unserer Vergangenheit hat Jahrzehnte lang auf sich warten lassen." Mit der Gedenkfeier solle dazu beigetragen werden, "diesen Opfern einen Platz in unserem historischen Gedächtnis zu geben".

Der Historiker Alexander Haritonow erinnerte an die Folgen für die Angehörigen der Opfer. Sie seien lange in Unwissenheit über das genaue Schicksal ihrer Verwandten gelassen worden. "Die Mehrheit der 30 000 Opfer von Zeithain blieb namenlos, so wie die meisten der sowjetischen Menschen, die ihr Leben in deutscher Kriegsgefangenschaft lassen mussten", erklärte der Experte vor rund 350 Zuhörern. "Angehörige wussten kaum mehr, als dass ihre Männer und Söhne verschollen oder in deutscher Kriegsgefangenschaft gestorben seien."

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) mahnte, dass aus dem Gedenken der Opfer auch ein Auftrag für die Gegenwart erwachse: Demokratie zu achten und sie vor ihren Feinden zu schützen. Tillich: "Es ist an uns selbst, unsere Mitmenschen mit Toleranz und Respekt zu behandeln und vorurteilsfrei zu akzeptieren."

Im ganzen Freistaat wurde am Sonntag mit zahlreichen Veranstaltungen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Anlass ist die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 68 Jahren. So waren etwa in Görlitz, Pirna, Chemnitz, Leipzig und Bautzen Kranzniederlegungen geplant. In Chemnitz stand eine Podiumsdiskussion mit Schülern und Holocaust-Überlebenden auf dem Programm. Sachsens Grünen-Chefin Claudia Maicher rief dazu auf, Rechtsextremismus entschieden entgegenzutreten, etwa bei den Protesten am 13. Februar in Dresden. "Rassismus und Diskriminierung sind leider keine Randerscheinungen, sondern begegnen uns tagtäglich viel zu häufig."

Der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz war 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt worden. 2005 deklarierten die Vereinten Nationen den 27. Januar zum Internationalen Holocaust-Gedenktag.