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Fünf Dosen Ananas

In der Staatskanzlei, Sachsens Zentrale von Macht und Glamour, freuen sie sich immer wie verrückt über Post von André Schollbach. Der Linken-Abgeordnete aus Dresden schreibt oft und gern Anfragen. ckz1

Schollbachs Anfragen befassen sich mit Kurt Biedenkopf und seinen Tagebüchern oder mit Gott und seinen Rechnungsbüchern. Wer Sachsens CDU kennt, weiß, dort sind Biedenkopf und Gott ziemlich das Gleiche. Jedenfalls ist für beide in der Staatskanzlei dasselbe Referat zuständig.

Wenn Schollbach Kleine Anfragen stellt, läuft das meist so: Er will, wie neulich, wissen, welcher Konfession die Mitglieder der Staatsregierung angehören. Darauf könnte man antworten: Das geht Dich gar nichts an! Oder: Google es doch! Aber der Chef der Staatskanzlei, Fritz Jae ckel (CDU), ein Mann von ausgesucht würdevollem Wording, teilt freundlich mit, dass die Frage "keinen Bezug zum Regierungsamt" aufweise und er deshalb von einer Beantwortung absieht.

Aber wen interessiert die Antwort? Wer viele Fragen stellt, hat gute Chancen, am Ende der Legislatur Anfragenkönig zu werden. Er kriegt dann ein grünes Hütchen und wird mit Eichenlaub behängt und darf die Hopfenkönigin busseln. Wer in der Linksfraktion die meisten Anfragen vorweisen kann, kriegt fünf Dosen Ananas und ein Ständchen vom Pionierorchester und von der Parteileitung endlich einen neuen grauen Dienstanzug. Da allerdings liegt Schollbach aktuell knapp hinter seinem Kollegen Enrico Stange. Der hat 666 Anfragen, Schollbach nur 651. Es heißt also: Beine in die Hand!