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| 18:28 Uhr

Eröffnung
Leuchtturm der Zukunftsforschung

 Forschungsministerin Anja Karliczek reist heute nach Görlitz.
Forschungsministerin Anja Karliczek reist heute nach Görlitz. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Ein deutsch-polnisches Forschungsinstitut für 200 IT-Fachleute: Casus startet in Görlitz. Von Christine Keilholz

Die Lausitz erhält ein neues Wissenschaftszentrum. Das Center of Advanced Systems Understanding – kurz Casus – eröffnet heute in Görlitz. Dafür reist Bundeswissenschaftsministerin Anja Karliczek (CDU) eigens an, wie auch die Spitzen der sächsischen und polnischen Forschungsinstitute, die am Projekt beteiligt sind.

Casus ist eines von vier Instituten, die dieses Jahr in der Lausitz an den Start gehen, es soll Mittelpunkt eines IT-Clusters in der Stadt an der Neiße werden. Elf Millionen Euro lassen sich das der Bund und der Freistaat kosten. Möglich machen das die reich gefüllten Fördertöpfe für den Strukturwandel.

Görlitz als Geburtsort neuer Technologien für das ditigale Zeitalter, das gefällt auch der Politik. Entsprechend viel ist im Vorfeld von Zukunft die Rede. Karliczek kündigt das Projekt an als „Leuchtturm der interdisziplinären Forschung im Bereich Digitalisierung“ für die Lausitz. Die Ministerin wurde noch vor wenigen Wochen massiv kritisiert, weil sie die milliardenschwere Batterieforschung nicht an die Lausitz, sondern an ihre westfälische Heimat vergeben hatte. Stattdessen kommt nun das Zentrum für fortgeschrittenes Systemverständnis, das 200 hochqualifizierte Jobs nach Görlitz bringen soll.

Den Traum vom eigenen Silicon Valley hat Sachsen noch nicht ausgeträumt. Nach enttäuschenden Anläufen in Dresden steht jetzt Görlitz im Fokus. Die Stadt an der Neiße bietet eine Universität mit technischer Ausrichtung. Die beliefert nicht nur die traditionelle Maschinenbau-Industrie der Region mit Nachwuchs. Sie schickt auch jährlich begehrte Absolventen mit IT-Qualifikation in die Welt hinaus.

Dass mehr von diesen jungen Leuten am Ort bleiben, das ist nicht nur das Ziel von Stadt und Freistaat, sondern auch der Großunternehmen. Deshalb will Siemens, einer der größten Arbeitgeber, eine Forschungssparte in Görlitz installieren.

Uni, Siemens und Casus bilden nun ein Dreigestirn der Technologie, um das herum sich, wenn es gut läuft, weitere Mittelständler der Branche entwickeln. Neuer Brennpunkt dieses Clusters wird die Adresse Untermarkt 20, die Heimat von Casus. In diesem alten Händlerpalast mitten im Zentrum entstehen Methoden und Technologien, die dabei helfen sollen, die Welt von morgen besser zu verstehen.

Die digitale interdisziplinäre Systemforschung entwickelt Methoden aus Mathematik, Modellierung, Simulation, Daten- und Computerwissenschaft, die Fragen aus so unterschiedlichen Bereichen wie Erdsystemforschung, Systembiologie oder Materialforschung beantworten sollen. Es geht um schnelle Computer, neue Codes und Software, die zusammen errechnen, welche Kräfte in komplexe Prozesse hineinwirken. Wichtig für Görlitz: Casus soll sich zu einem international sichtbaren Institut entwickeln.

Ministerpräsident Kretschmer sieht dafür gute Chancen. Görlitz liege schließlich „zentral an der Nahtstelle der Wissenschafts- und Technologieregionen Sachsen und Niederschlesien“. Kretschmer frohlockt über neue Möglichkeiten für Studenten und Arbeitskräfte in den digitalen Technologien am Forschungsstandort Görlitz, der durch Casus noch attraktiver werde.

Casus ist nicht nur ein Stück Wissenschaftspolitik, sondern auch eine Strukturmaßnahme für die Braunkohleregion. Um Wirtschaft und Gründergeist anzukurbeln, setzt der Bund auf die inspirierende Wirkung der Forschung. Die bietet zudem krisenfeste und gut bezahlte Jobs für Akademiker, die die Lausitz dringend braucht. Die Mittel fließen aus Karliczeks Forschungsministerium für die Anlaufphase von drei Jahren. Zehn Millionen zahlt der Bund im Sofortprogramm für Strukturförderung. Der Freistaat ist mit einer Million an Casus beteiligt.

Getragen wird das Zentrum von den beiden Helmholtz-Zentren Dresden-Rossendorf (HZDR) und Leipzig (UFZ) sowie vom Max-Planck-Institut  für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG). Beteiligt sind auch die TU Dresden und die Universität Breslau. Forscher aus Polen und Deutschland sollen in Görlitz zusammenarbeiten. Damit ist Casus ein grenzüberschreitendes Vorhaben innerhalb Europas.

 Forschungsministerin Anja Karliczek reist heute nach Görlitz.
Forschungsministerin Anja Karliczek reist heute nach Görlitz. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger