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| 18:36 Uhr

Sachsen
Forscher tüfteln an der perfekten Kirsche

Kirschzüchter Mirko Schuster kontrolliert auf einem Versuchsfeld des Julius Kühn-Instituts Süßkirschen der Sorte Areko.
Kirschzüchter Mirko Schuster kontrolliert auf einem Versuchsfeld des Julius Kühn-Instituts Süßkirschen der Sorte Areko. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert
Dresden. Groß muss sie sein und längere Lieferwege überstehen: Forscher in Dresden-Pillnitz züchten Kirschsorten. Immer neue Ansprüche des Handels stellen sie dabei vor Herausforderungen. Und nicht nur sie.

„Areko“ hat eine Herzform, schimmert dunkelrot und schmeckt herrlich süß: Die Kirsche hat in diesem Jahr Sortenschutz durch das europäische Sortenamt erhalten. Bis es so weit war, haben Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts in Dresden-Pillnitz sowie aus Ahrensburg in Schleswig-Holstein mehr als 20 Jahre an ihr gezüchtet. „Der Sortenschutz für eine neue Züchtung ist schon etwas Besonderes“, sagt Mirko Schuster, der die Kirschenzüchtung am Institut leitet. Wenn er Glück hat, erlebt er das in seinem Berufsleben noch zwei- oder dreimal.

Schuster ist zuständig für circa sieben Hektar Kirschanbau in Dresden-Pillnitz. In Reih‘ und Glied und mit einem Netz vor Staren geschützt, stehen Kirschbäume über Hunderte Meter auf den Feldern. Für seine Züchtungen kommen Landwirte aus Chile, Spanien und der Türkei zu Besuch.

In manchen Ländern wird die Obstzüchtung auch kommerziell betrieben – in Deutschland liegt sie dagegen in staatlicher Hand. „Das ist ein sehr langwieriger Prozess“, sagt der 57-Jährige, der von der täglichen Arbeit im Freien wettergegerbt ist. Kommerziell lohne sich die Obstzüchtung häufig nicht.

Bis Ende August ist in Deutschland wieder Kirschsaison. Mitunter schon für fünf Euro ist das Kilo derzeit in den Supermärkten zu haben. Häufig stammt die Ware aus dem Ausland: Viele Kirschen kommen beispielsweise aus der Türkei, Spanien und Italien. Doch auch in Deutschland werden Kirschen angebaut. In Sachsen wurden 2017 laut Angaben des Landesverbands „Sächsisches Obst“ 560 Tonnen Kirschen geerntet. Aufgrund des bislang guten Wetters sollen es dieses Jahr voraussichtlich 750 Tonnen sein.

Schon jetzt gibt es mehr als 1000 Kirschsorten, davon werden circa 30 auch in größerem Maß angebaut. Warum also überhaupt neue Sorten züchten? Handel und Konsumenten hätten immer neue Forderungen, sagt Schuster. Beispielsweise erzählt Ulrich Pold vom Konsum Dresden, einer Genossenschaft, zu der 34 Supermärkte in und um Dresden gehören: „Die Kirschen, die wir wollen, müssen einen Durchmesser von 28 Millimeter haben.“

In anderen Supermärkten sieht es ähnlich aus. Denn je größer die Frucht, desto eher greift der Verbraucher zu. Vor einigen Jahren wurden noch Kirschen mit der Größe 24 bis 26 Millimeter verkauft.

Neben dem Wunsch nach immer größeren Kirschen solle beispielsweise das Fruchtfleisch auch fester werden, um längere Lieferwege zu überstehen, sagt Schuster weiter. Gleichzeitig soll die Pflanze möglichst robust beispielsweise gegen Pilze und Bakterien sein, damit die Landwirte nicht so viel Pflanzenschutzmittel brauchen. Und schließlich ändert sich das Wetter immer wieder, und die Pflanzen müssen in einigen Anbaugebieten inzwischen längere Dürrezeiten und härteren Frost überstehen. Dass das zwingend aber schon dem Klimawandel zuzuschreiben sei, will Schuster offen lassen.

Schuster schüttelt über die immer neuen Anforderungen manchmal den Kopf. „Unsere Sorten sind mittlerweile so hochgepowert, dass sie auf Umweltstress häufig sehr stark reagieren“, sagt er. Bäume mit sehr großen Kirschen schützten die Landwirte inzwischen beim Anbau mitunter mit Dächern. Denn bei Regen platzen die größeren Früchte oft schnell auf. Er wünscht sich manchmal, dass der Verbraucher seine Ansprüche etwas zurückfährt. Doch er weiß auch, dass das wohl ein Wunsch bleiben wird. „Was man züchten kann, wird auch gemacht“, sagt er.

(dpa)