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| 01:25 Uhr

Finanzexperte Helmut Seitz stirbt bei Sturz vom Balkon

Helmut Seitz Foto: TU Dresden
Helmut Seitz Foto: TU Dresden FOTO: TU Dresden
Dresden. Er war einer der gefragtesten Finanzwissenschaftler Deutschlands, er beriet seit Jahren den Freistaat Sachsen und nicht zuletzt Alt-Ministerpräsident Georg Milbradt, er war Sachverständiger verschiedener Regierungen und in der Föderalismuskommission: Helmut Seitz, studierter Volkswirt, Professor für Finanzwissenschaft an der TU Dresden und Forschungsprofessor am Institut für Wirtschaftsforschung (ifo), ist tot. Freitag wurde bekannt, dass Seitz bereits am Mittwochnachmittag mit nur 52 Jahren tragisch verunglückte. Sven Heitkamp

Er stürzte vom Balkon seiner kleinen Wohnung im neunten Stock eines Hochhauses in der Dresdner Reitbahnstrasse. Die Polizei spricht von einem Unfall und schließt eine Straftat oder einen Selbstmord vorerst aus. Seitz sei offenbar bei Reinigungsarbeiten gefallen, teilte eine Sprecherin mit. Der in Rheinland-Pfalz geborene Forscher hatte seit 2004 einen Lehrstuhl an der TU Dresden.Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sagte, der plötzliche Tod sei ein großer Verlust für Sachsen. "Die Wissenschaft verliert mit ihm einen brillanten Kopf, die Staatsregierung verliert mit ihm einen hilfreichen und engagierten Berater, der uns ein stetiger, manchmal auch unbequemer Mahner war." Der Regierungschef sprach den Angehörigen sein tiefes Mitgefühl aus. Auch Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn reagierte bestürzt. Seitz' Forschungsergebnisse hätten die Debatte um die Schuldenbegrenzung der Länder maßgeblich vorangetrieben. "Helmut Seitz hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, wenn es galt, die Wahrheit zu verbreiten. Er hat seine Schlussfolgerungen unabhängig von parteipolitischen Überlegungen vertreten, und sich politischem Druck nie gebeugt", so Sinn.Tatsächlich hatte Seitz in vielen wissenschaftlichen Arbeiten und in Medien-Interviews den Finger in die Wunde gelegt und übermäßige Staatsausgaben wie auch die Fehlverwendung von Solidarpakt-Mitteln angeprangert. Seitz verstand es dabei, gerade die abstrakte und komplizierte Materie öffentlicher Finanzen anschaulich, verständlich und oft mit Humor auf den Punkt zu bringen. Anfang der Woche hatte Seitz noch in der MDR-Sendung "Fakt ist” über die Frage "Soll der Staat der Retter sein?” gesprochen. Sven Heitkamp