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| 08:49 Uhr

Viele Einschränkungen, viele Interessenten
Ferienjobs sind in Sachsen und Berlin Mangelware

Eisverkaufen eignet sich gut als Ferienjob. Generell wird das Angebot an Ferienjobs kleiner. Auch, weil es viele Einschränkungen und Vorgaben für die Arbeitgeber zu beachten gilt. Dabei kann ein Ferienjob das Sprungbrett für eine Ausbildung sein.
Eisverkaufen eignet sich gut als Ferienjob. Generell wird das Angebot an Ferienjobs kleiner. Auch, weil es viele Einschränkungen und Vorgaben für die Arbeitgeber zu beachten gilt. Dabei kann ein Ferienjob das Sprungbrett für eine Ausbildung sein. FOTO: dpa / Holger Hollemann
Dresden/Berlin. Mit Ferienjobs können Schüler ihr Taschengeld aufbessern und etwas den Berufsalltag kennen lernen. Das kann bei der Berufswahl helfen. Allerdings werden die angebotenen Jobs weniger.

Einer Umfrage der Landesschülerrates zufolge hat fast jeder vierte Schüler in Sachsen schon einmal in den Ferien gejobbt. Etwa 80 Prozent von ihnen hätten angegeben, sie hätten bei der beruflichen Orientierung davon profitiert, sagt Pressesprecher Leonard Kühlewind in Dresden. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa zufolge werden die angebotenen Schülerjobs jedoch weniger. „Die Nachfrage nach Ferienjobs ist größer als die Angebote“, sagt der Sprecher der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit, Frank Vollgold, in Chemnitz.

Viele Einschränkungen

Ein zentraler Grund: „Die Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes lassen einen flexiblen Einsatz der Schüler kaum zu.“ Die Schüler hätten zudem keine eigenen Fahrzeuge oder einen Führerschein. Deshalb nähmen die Unternehmen von einer Ferienbeschäftigung oft Abstand und griffen eher auf Studenten zurück.

Das Angebot an Ferienjobs ist seit dem Aufkommen geringfügiger Beschäftigung wie die 450-Euro-Jobs deutlich weniger geworden, sagt der Sprecher die Industrie- und Handelskammer Dresden, Lars Fiehler. Er bestätigt: „Oft kommen Ferienjobs heute nur noch durch Vermittlung der Eltern, von anderen Familienangehörigen oder engen Freunden zustande.“ Werden Pauschalkräfte für saisonale Hochphasen wie etwa Biergärten oder Abfederung während des Urlaubs von Angestellten gesucht, würden Volljährige wie Studenten deutlich bevorzugt. Interessant werde es eigentlich erst für Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren, sagt Fiehler. Da gebe es weniger Einschränkungen.

Leichte Tätigkeiten, kein Mindestlohn

Ferienjobs könnten wegen des Jugendarbeitsschutzes ohnehin nur leichte Tätigkeiten sein wie Gartenarbeiten, das Auffüllen von Regalen im Einzelhandel, leichte Arbeiten in der Gastronomie, Zeitungen austragen, Botengänge. Schwere körperliche oder gefährliche Tätigkeiten sind für Jugendliche verboten.

Für unter 18-Jährige gelte der Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde nicht, erläutert Fiehler. Die Bezahlung müssten die jungen Leute individuell aushandeln, was nicht einfach sei. Ob sie dann auf fünf, sechs, sieben oder mehr Euro pro Stunde kommen, hänge ganz von den individuellen Gegebenheiten ab.

Vom Ferienjob zum Ausbildungsvertrag

In der Online-Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Dresden können die Mitgliedsbetriebe auch Angebote für Praktika oder Ferienarbeit hinterlegen. „Ferienjobs sind für Jugendliche eine hervorragende Möglichkeit, in einen Beruf hinein zu schnuppern“, sagt Pressereferent Daniel Bagehorn. Die Betriebe wiederum könnten die Jugendlichen kennenlernen. „Es ist nicht selten, dass Unternehmen dabei ihren zukünftigen Lehrling finden und die Jugendlichen ihren Ausbildungsberuf und -betrieb.“

Aktuell finden sich dort Ferien-Angebote unter anderem für Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Dachdecker, Elektroniker, Fleischer, Gerüstbauer, Maler, Metallbauer, Orgelbauer, Steinmetze, Zimmerer.

Auch in Berlin sind Ferienjobs rar

Auch in Berlin haben Schüler, die während der Sommerferien etwas hinzuverdienen wollen, schlechte Karten. Rund 120 Stellenanzeigen seien zurzeit auf schuelerjobs.de für die Hauptstadt eingestellt, sagte Carsten Wiese, Anzeigenleiter des Internet-Portals, in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Angesichts von rund 800 Schulen und 14 300 Klassen mit fast 350 000 Schülern ist das Jobangebot in Berlin deutlich zu klein. Offizielle Zahlen zu Arbeitsangeboten speziell für Schüler gibt es nicht.

Auch hier sind es vorrangig formale Gründe: „Das liegt am vorgeschriebenen Mindestalter, das für viele Tätigkeiten bei uns Voraussetzung ist“, sagte Anke Blenn von der Pressestelle der Deutschen Post. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sowie Siemens scheiden aus. „Die meisten Tätigkeiten bei uns bringen spezielle Sicherheitsanforderungen mit sich, die für ungelernte Aushilfskräfte nicht geeignet sind“, erklärte BVG-Pressesprecher Markus Falkner.

Bewerben lohnt dennoch

Siemens-Sprecher Christian Datzer äußerte sich ähnlich: „Die Tätigkeiten an unseren Standorten in Berlin erfordern eine umfangreiche Einarbeitungszeit - auch im Hinblick auf Sicherheit. Unser Fokus liegt deshalb auf Werkstudenten und Praktikanten.“ Dagegen sucht Daimler jährlich deutschlandweit 20 000 Ferienjobber. Die Nachfrage ist dem Unternehmen zufolge immens, auch bei der Niederlassung in Berlin.

„Die Ferienjobs sind sehr begehrt, deshalb sind viele Stellen bereits vergeben. Es lohnt sich aber, sich noch zu bewerben“, sagte Daimler-Sprecherin Kathrin Schnurr. Im vergangenen Jahr gingen rund 70 000 Bewerbungen deutschlandweit bei dem Konzern ein.