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Fast eine Ehe

Wenn Menschen zueinander finden, ist das immer schön. Und so wird sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) gefreut haben zu hören, dass es jetzt in seinem Stadtrat eine neue Fraktion gibt. ckz1

Der Stadtrat ist deshalb nicht größer geworden, es haben sich einfach vier Leute, die schon da waren, zu einer neuen Fraktion zusammengeschlossen. Wenn man sowas hört, ist das ein bisschen so, als hätten Leute, die man aus unterschiedlichen Ecken kannte, plötzlich geheiratet. Man sagt dann: "Wie bitte?" oder "Da schau her!" oder "Ist ja irre!" und dann macht man weiter wie gehabt.

Der Vergleich mit Ehe ist im Fall der neuen Stadtratsfraktion nicht ganz abwegig, denn eine der vier Glücklichen hat ihn selbst bemüht. "Es ist wie in einer Ehe", sagt die ehemalige Linke Naomi-Pia Witte, "wenn man sich auseinandergelebt hat, lässt man sich scheiden. Und schaut, was der Markt noch so hergibt." Das klingt grundsätzlich vernünftig und nach vorn gerichtet.

In einem gewählten Stadtrat ist dieser Markt allerdings begrenzt. Da muss man möglicherweise Ausschau halten, wer sich noch scheiden lassen will. Oder man frequentiert den Katzentisch. Und da saßen noch die einsame Piratin Elisabeth Gabelmann und die beiden FDP-Männer René Hobusch und Sven Morlok. Man wurde sich einig und nennt sich jetzt "die Freibeuter". Ist ja irre! Allerdings.

Das Gute daran: Drei der vier Leute sind jetzt nicht mehr die allerkleinsten Fraktionen, sondern sie bilden zusammen eine der kleinsten. Die Freibeuter sind nun zahlenmäßig so stark wie die AfD-Fraktion. Und wenn sie die noch entern, dann sind sie nur noch vier Leute weniger als die Grünen.