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Fast 717 000 Anträge auf Stasi-Akteneinsicht in Sachsen

Dresden. In Sachsen sind bisher fast 717 000 Anträge auf Stasi-Akteneinsicht gestellt worden. Nach Medieninformationen vom Sonntag wurden in der Dresdner Außenstelle der Birthler-Behörde vom Januar 1992 bis Ende Juni dieses Jahres 245 471 Anträge gestellt, in Leipzig 195 776 und in Chemnitz 275 440.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es immerhin noch 10 000. “Interessanterweise handelt es sich bei 70 Prozent der Fälle immer noch um Erstantragsteller„, sagte der Leiter der Behörde in Dresden, Konrad Felber, dem Sender.

Nach Angaben von Felber sind insgesamt noch etwa 20 000 Anträge zu erledigen, in Chemnitz 3926, in Leipzig 8296 und in Dresden 7802. In den drei sächsischen Außenstellen der Birthler-Behörde gibt es derzeit 174 Beschäftigte. “Unsere Mitarbeiter haben in den vergangenen Jahren einen tollen Job gemacht„, erklärte Felber. “Wir haben mit der Offenlegung der Akten erreicht, dass nicht nur Opfer einen Namen haben, sondern auch die Täter.„ Nach der Jahrtausendwende hatte es bei den Anträgen eine kleine Flaute im Freistaat gegeben, hieß es. Seit 2006 sei aber wieder ein Anstieg zu verzeichnen. “Die Diskussion über die Stasi wird mittlerweile über die Kinder wieder in die sächsischen Familien hineingetragen„, so Felber. “So kommen Jugendliche sehr interessiert in unsere Archive, Ausstellungen oder zu Vorträgen und fragen dann zu Hause ihre Eltern, wie es damals war und ob sie schon einen Antrag auf Akteneinsicht gestellt haben.„

Mit dem Inkrafttreten des Stasi-Unterlagengesetzes können ehemalige DDR-Bürger seit 1. Januar 1992 den Antrag auf persönliche Akteneinsicht stellen. Er ist kostenlos. Binnen kurzer Zeit bekommt der Antragsteller eine Eingangsbestätigung. In gut 12 bis 14 Wochen folgt eine Antwort, ob Akten vorliegen. Wenn ja, hängt die weitere Bearbeitung von Umfang und Art der Akte ab. Wenn eine Zusendung in Kopie nicht möglich ist, kann eine Einsicht des Betroffenen bis zu zwei Jahre dauern. dpa/mho